Kurzkritiken

Blair Witch: Die Hexe leuchtet

Wenn ich gnädig wäre, würde ich zu Blair Witch sagen: Unvergleichlich doofer Dreck zum Quadrat. Ein durch und durch unüberlegter Horrorfilm, der eine Hexengeschichte mit Drohnen und Riesen verbindet. Zumindest entwurzelt Regisseur Adam Wingard gefühlt einen ganzen Wald, setzt auf Terror statt Paranoia. Wer eine ähnlich vielschichtige Legende erwartet, die The Blair Witch Project so sorgsam aufbaute und in schreiende Münder endete, wird sein Dasein bitterlich verfluchen bis in alle Ewigkeiten; sehr wahrscheinlich ist Blair Witch der enttäuschendste Film der vergangenen zehn Jahre.

Sicherlich auch mit Hilfe des außergewöhnlichen Marketings öffnete The Blair Witch Project unzählige Pipi-Blasen Tor und Tür. Mittlerweile aber ist das Haus im Wald, die Hexe im Wald, der Horror im Wald längst nicht mehr so effektiv. Wenn Adam Wingard fast ausschließlich auf Jumpscares setzt, bleibt nicht mehr viel übrig vom Mythos. Zumal sich das Drehbuch von Simon Barett so hoffnungslos verläuft wie die Protagonisten im Film. Eigenständigkeit heißt hier: Ein Wald kippt um und die Hexe leuchtet. Übrig bleibt der selbe Ablauf, nur mit modernen Geräten: Mythos der Hexe aufbauen (ein Video aus dem Netz, zwei Fremde), Grund für Expedition finden (verschollene Schwester suchen), verirren, schreien, fluchen, Hilfsgeräte setzen aus, Panik nimmt zu, Haus im Wald, Ende. Da variiert der Sekundenzeiger meiner Uhr mehr als dieser Filmablauf.

Vielleicht hätte man das erwarten können, sagt jetzt manch einer. Eine Fortsetzung zu einem 18 Jahre alten Film, was soll dabei schon heraus kommen? Naja. Wer aber Adam Wingards Filme kennt, sollte meine einst keimende Hoffnung verstehen. Zusammen mit Simon Barett drehte er The Guest, eine stylische Verbeugung ans Kino der 80er Jahre, überragend besetzt mit Dan Stevens und unverschämt stilvoll in seinem Aufbau. Sie verstanden, dass eine filmische Zitatsammlung anders funktionieren kann als das reine Nachmachen, sondern eher als lose Adaption verstanden werden kann.

Bis heute ängstige ich mich nachts vor Wäldern. Nur weil ich erwachsen bin, heilt das nicht automatisch das Trauma, das mir als Kind schlaflose Monate bescherte, ach was!, Jahre waren das. Mich im Bett herumdrehen, das werde ich nun wieder und wieder und wieder – weil ich mit so einem Schund nicht fertig werde.

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