Film

Fantastic 4: David Cronenberg gefällt das nicht

Die Welt hasst Fantastic 4. Die Welt hat Unrecht. Mal von der akuten Superheldenverblödung abgesehen, die ohnehin jedes Mal den selben Ramsch an immer doofer werdende Zuschauer verhökert, gelten Wagemut und Phantasie als Schandfleck im lückenlosen Einheitsbrei, das Marvel ein Filmuniversum nennt. Mit Kino hat das so viel zu tun wie Eichelkäse mit Brotaufstrich. Wenn aber doch mal jemand den kühnen Versuch unternimmt, ohnehin schon bekannte Geschichten zumindest ein bisschen der Langeweile zu entziehen, kommt Fantastic 4 dabei heraus.

Man muss nicht mal genau hinschauen, um die Perücken zu erkennen, die in den zahlreichen Nachdrehs getragen wurden. Ab einem gewissen Punkt zog 20th Century Fox den Regisseur und Drehbuchautor Josh Trank vom Projekt ab, es gab unzählige Aussagen über dieses und jenes, über kreative Einschränkungen und überforderte Verantwortliche. Ganz sicher aber weiß man: Was Trank aus den Fantastic 4 machen wollte, ist so weit entfernt von der diktatorischen Maschinerie sonstiger Ergüsse aus dem Hause Marvel, dass Köpfe rollen mussten.

Lieber gut aussehen als gut kämpfen

Tranks großes Vorbild nämlich war David Cronenberg, der aus körperlichen Verunstaltungen stets ein meisterhaftes Spektakel macht. Während die meisten Superhelden ihre Verbindung mit dem Überkrasssein hinnehmen und ganz selten zumindest moralisch damit hadern, bleibt ihr Körper stets unversehrt, klaffende Wunden oder bestialische Wandlungen weichen dünnen Blutspritzern und gebrochenen Rippen. In Fantastic 4 sieht Regisseur Trank – wandernd auf Cronenbergs Pfaden – seine Jugendlichen fortan als Monster, die durch Leichtsinn und Alkohol (!) die Nutten spielen für die Regierung. Weit über Moral hinaus, hadern sie mit ihrer Existenz, denn nicht nur im Kopf, sondern vielmehr in der Erscheinung definieren sie sich. Kids eben, die wert legen auf ihr Äußeres, nun aber ihre Identität opfern – nicht, weil sie es wollen, sie sträuben sich sogar vehement dagegen, aber sie müssen.

Ein gefühlvoller Konflikt, getragen von herausragenden Darstellern, die später allerdings bewusst den Weg der Ehre nehmen – weil das Genre es nun mal so verlangt – und gen Ende ihr Dasein so sehr feiern wie Batman seine tiefe Stimme. Zweifel haben keinen Platz, leicht verdaulich soll alles sein. Die Produzenten nerven mit dem, was sie am besten können: Sanft-flauschige Superhelden, damit sich bloß niemand angegriffen fühlt. Nur hat das wenig mit Tranks ursprünglicher Vision zu tun.

80 Millionen Gründe für Unbehagen

Als dann noch Bösewicht Dr. Doom die Köpfe seiner “Feinde” platzen lässt, im sonst so prüden Genre, kann man Trank nur noch applaudieren. Allein: Das reicht nicht, denn das produzierende Studio 20th Century Fox macht es Marvel gleich, sägt den Regisseur ab und sorgt für einen Verlust von mindestens 80 Millionen Dollar. Im offensichtlich rasch geänderten Finale bleibt dann wieder alles beim Alten, in jeder Sekunde glaubt man Ironman, Captain America oder Hulk im Hintergrund die Welt retten zu sehen, letztlich bleibt es dann doch nur bei der traurigen, traurigen Gewissheit: Das Wort Autorenfilm kennen Superhelden nicht. Wer den Zuschauern etwas zumuten will – nicht nur im Sinne von Anspruch, eher noch auf Physis, Psyche und die damit einhergehenden Schwierigkeiten bezogen -, wird hier nie Erfolg haben.

Wenn aber ein pubertierendes Hackfressengesicht namens Deadpool zu den Zuschauern spricht und ganz viele, ganz zarme Peniswitzchen bringt, schrubbt sich die Masse das Sperma aus dem Leib. Hahaha, hihihi, Schwanztittenficken.

Herzlichen Willkommen im Superhelden-Genre.

Fantastic 4, US 2015 // Regie und Drehbuch: Josh Trank (und irgendwann später: Jeremy Slater, Simon Kinberg) // Darsteller: Kate Mara, Michael B. Jordan, Jamie Bell, Miles Teller, Toby Kebbell, Reg E. Cathey // Kamera: Matthew Jensen // Musik: Marco Beltrami, Philip Glass // FSK 12 // Laufzeit: 101 Minuten

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