Film

Three Billboards Outside Ebbing, Missouri: Drei Billboards zu viel

Wegen Risiken und Nebenwirkungen empfehle ich, einen anderen Film zu gucken. Nicht den da. Der ist grausam.

Haben die Wutbürger schon auf „Gefällt mir“ geklickt? Wobei das natürlich niemand will, die Extremen anlocken. Schließlich faselt man von Versöhnung und Schuld und Oscar-nominiert dieses homophobe Ärgernis, das den Lynchfeldzug einer unversöhnlichen Frau auf ein Podest in der Höhe von Mel Gibsons Toilette katapultiert.

Jede Minute in dieser Heimat von Rassisten und Idioten toastet Regisseur McDonagh die Moral von beiden Seiten mit Schweinchenmuster; die eine Seite tritt und prügelt sich durch Unschuldige mit Applaus, Applaus, die andere fordert den Tod von Vergewaltigern. So reaktionäres, weltfremdes Kino wärmt die Wampen von Facebook-Kommentatoren mit Hunde-Profilbild, die ihre Sätze bezüglich Sexualstraftäter mit „Ich bin ja immer freundlich, aber …“ beginnen.

Die anderen Billboards-Liebhaber sind wohl Tarantino-Fans oder missverstehen den Begriff Lakonie. Zumindest erkennen sie Menschlichkeit in den Umrissen niederer Gestalten, die nichts lernen, nichts lehren, nichts begreifen. Hauptsache ist doch, dass der Kleinwüchsige „mal für kleine Jungs muss“, das ist doch der Brüller schlechthin, und letztlich steht da bestimmt irgendein tieferer Sinn hinter, wie der Mordversuch des Menschenhasser mit Polizeimarke, der am Ende gar nicht mehr so am Ende ist.

Fuck that. Ich erkenne in Three Billboards Outside Ebbing, Missouri nichts außer Hass, der weder kommentiert noch auseinander genommen oder gar überhöht wird. Als vermeintlicher Kommentar zur Verrohungen empfindlicher Diskurse taugt er somit nur als Fingerzeig auf die Notwendigkeit von zwei Seiten. Und das ist zuweilen ziemlich idiotisch.

Dass dieser Film solch eine Wut in mir entfacht, steht vielleicht exemplarisch für den Diskurs, den der Regisseur auslösen will, für die Frage, inwieweit die Taten der Antihelden so etwas banales wie Erlösung beinhalten.

Nur: Dieser Diskurs wird nie gefordert, diese Frage wird nie gestellt. Es bleibt bei Penishumor vor dem Kopfschuss. Das kann man witzig finden und eine aufregende Symbolik darin erkennen.

Oder halt schimpfen. Ja doch, ich schimpfe lieber auf diesen Film, der mit Humanismus so viel zu tun hat wie das Impressum von BILD.de.

Three Billboards Outside Ebbing, Missouri, USA/Großbritannien 2017 // Regie: Martin McDonagh // Drehbuch: Martin McDonagh // Darsteller: Sam Rockwell, Frances McDormand, Woody Harrelson, Caleb Lendry Jones, Nick Searcy, John Hawkes, Lucas Hedges, Abbie Cornish, Kerry Condon // Kamera: Ben Davis // Musik: Carter Burwell // Laufzeit: 116 Minuten // FSK 12

Trailer

Artikelbild: Screenshot aus dem Trailer.

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