Film

The Wall: Die Mauer muss weg

Nie ist einer der Feinde zu sehen. Eigentlich ist es nur ein einziger Feind. Ein Scharfschütze, der im Irak auf zei US-Soldaten schießt, obwohl der Krieg vorbei ist. Einer der beiden liegt schwerverletzt im Sand, der andere versteckt sich hinter einer Mauer. Er spuckt und flucht und schwitzt und stöhnt wie ein Texaner beim Debattierwettbewerb unter einer Sonnenbank. Irgendwann schaltet sich der feindliche Scharfschütze ein und spricht per Funk zu ihm, psychologische Spielchen sollen nun daraus entstehen. Dazu ein Gedicht:

Der eine hat den andren in der Hand,

Shakespeare wird rezitiert, 

lass uns mal kochen mit Schmand

Amazon hat den Schund hier produziert.

Wenn man über The Wall redet, muss man zwangsläufig über die Darsteller sprechen. Wrestler John Cena spielt den bewusstlosen US-Soldaten. Das macht er fabelhaft, wie er da so auf dem Boden liegt mit Staub im Gesicht. Nur für John Cena hat Autor Dwain Worrell die Rolle geschrieben, schließlich kann das ja auch nicht jeder, so im Sand verrecken. Ein Stein vielleicht.

Aaron Taylor-Johnson mimt den anderen US-Krieger. Bestimmt 70 Minuten ist nur er zu sehen. Eine lange Zeit ist das, man könnte bügeln, abwaschen, saugen, fegen oder sich für einen Schauspielkurs anmelden. Aaron Taylor-Johnson hat nichts davon gemacht. Nun haben wir den Salat. Als verpeilter Jugendlicher in Kick-Ass kann er durchaus etwas ähnliches wie Sympathie erzeugen, auch als hundedoofguckender Verbrecher in Savages. Einen Film allein tragen, schafft er zu keiner Sekunde, noch dazu einen, der das Feindbild auf amerikanische Konventionen anpasst, so als ob man Iraker nur Ernst nehmen kann, wenn sie Englisch lernen und von der US-Armee ausgebildet werden. Der Feind handelt nie eigenständig, ist sogar im Bösen irgendwie von den Amerikanern verbessert.

Regisseur Doug Liman findet keinen Zugang, filmt Aaron Taylor-Johnsons Geschnoddere aus allen Perspektiven. Seine besten Werke drehte Liman nicht mit guten Drehbüchern, eher noch mit guten Schauspielern: Fair Game mit Naomi Watts und Sean Penn, Edge of Tomorrow mit Emily Blunt und Tom Cruise oder American Made ebenfalls mit Cruise. Bei The Wall bietet ihm niemand etwas an, was über körperliche Reflexe hinausgeht. Ein bisschen Fluchen im Angesicht des Todes, wer kennt es nicht, aua, oh weh, Hilfehilfehilfe. Kann man machen, ist dann aber nur noch langweilig.

Wer das Komplexe im Krieg sucht, hat viele aktuelle Alternativen, zum Beispiel Ang Lees Meisterwerk Die irre Heldentour des Billy Lynn oder der dänische A War oder der Netflix-Film Sand Castle. Sogar das kitschige Drama How I Live Now zeigt etwas über Persönlichkeiten in kriegerischen Ausnahmesituationen. Allesamt eint die Kraft der starken Hauptdarsteller: Saoirse Ronan, Logan Marshall-Green, Pilou Asbaek oder Joe Alwyn.

In diese Aufzählung gehört Aaron Taylor-Johnson nicht. Er sollte es John Cena gleichtun und sich erst einmal ein bisschen auf den Boden legen. Das hilft ja bekanntlich der Durchblutung. Oder so.

The Wall, USA 2017 // Regie: Doug Liman // Drehbuch: Dwain Worrell // Darsteller: Aaron Taylor-Johnson, John Cena, Laith Nakli // Kamera: Roman Vasyanov // Schnitt: Julia Bloch // Laufzeit: 81 Minuten

Trailer

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