Spielepresse

Die PC-Apokalypse steht bevor, sagt die GameStar, vielleicht aber auch nicht

Das Ende ist nah. Von der TÜV-Plakette meiner Nachbarn. Bei der GameStar weiß man allerdings zuversichtlich: Auch das Ende des PCs ist nah, ich meine: nicht nah. Was denn nun?

Vor einigen Tagen schrieb die GameStar:

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(Gamestar.de)

Der Inhalt: Dem PC geht es gut. Den besten Wachstumswert seit 2012 habe man verzeichnet, melden Analysten.

In der GameStar-Redaktion freut man sich vermutlich besonders darüber. Lange Zeit sah es nämlich nicht gut aus, der PC schien besiegt, und das Ende war nah, wenn man elf Jahre zurück geht. Die GameStar titelte Ende 2007:

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(Gamestar.de)

Das Fazit lautete allerdings:

„Das Ende der PC-Spiele ist so schnell also nicht zu befürchten.“

Ob der PC langfristig überlebe, hinge von den produzierenden Firmen für PC-Versionen ab, heißt es. Logisch! Nur: Warum wird das Ende des PCs beschworen, obwohl „so schnell nichts zu befürchten“ sei? Natürlich klickt sich Apokalypse besser als Wahrheit. „Die Zukunft des PCs – Langfristig sicher, aber was passiert danach?“, das liest niemand, klar.

Das denkt auch die GameStar. 2016 überschriften sie euphorisch:

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(Gamestar.de)

Schön! Aber so ganz kann sich die Redaktion nicht vom Ende verabschieden, denn nur ein Jahr später heißt es:

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(Gamestar.de)

Ein bisschen frech ist es schon: Das Ende des PCs kommt ja eben nicht, und doch steht es an erster Stelle. Die Auflösung danach hilft nur bedingt, denn die Übertreibung und somit die Unsachlichkeit ist da bereits geschrieben.

Nur einige Monate später, ja genau: Ende im Gelände, besonders für den PC.

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(Gamestar.de)

Jetzt wird es kompliziert: Die Verkäufe seien zwar zurückgegangen, aber nur ein bisschen. Das heißt wohl Stabilität, sagen zumindest Analysten. Hochinteressante Zahlen sind das, und es bedarf einer Analyse, die die Lage für den – in der Spiele-Industrie – wichtigen PC erläutert, ohne Frage. Nur: 2017 gab es weltweit über 260 Millionen Computer-Verkäufe. Das ist weit weg vom Ende.

Das hält die GameStar nicht davon ab, einen halben Monat später erneut zu titeln:

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(Gamestar.de)

Hm? Analysten erwarten also einen Wachstum, und trotzdem fiebern sich die Redakteure ein Ende herbei. Wohlgemerkt: 260 Millionen Verkäufe im Jahr 2017. Das mag ein starker Rückgang sein im Vergleich zu den vergangenen Jahren, eine Krise vielleicht, aber kein Ende.

Nur vier Monate später steht dann das auf GameStar.de:

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(Gamestar.de)

Die Überschrift steht für sich. Interessant ist folgender Abschnitt:

„Bereits seit Jahren prophezeien Experten dem PC immer wieder einen schleichenden Tod. Wie viel an dieser These tatsächlich dran ist, lässt sich nur schwer vorhersehen, allerdings bieten aktuelle Verkaufszahlen für das erste Quartal 2018 zum wiederholten Mal Hinweise auf einen rückläufigen Markt.“

Nicht Analysten, nicht Experten, auch nicht Zauberer oder Wahrsager prophezeien einen schleichenden Tod. Es ist die GameStar-Redaktion, die aus einem „rückläufigen Markt“ ein „nahendes Ende“ bastelt.

Hysterie für Klicks. Die BILD-Zeitung wäre stolz.