Medienkritik

Fuck-Ups der Woche #1: PC Games gibt nichts bekannt, GamePro gibt nichts auf Vereinbarungen

Fast täglich kommt neuer Quatsch hinzu, oft nur Kleinigkeiten, die dennoch einen Stinkefinger wert sind. Deswegen sammle ich künftig kleine und mittelgroße Ärgernisse aus dem Spielejournalismus und veröffentliche sie in diesem Format. Mal unkommentiert, mal mit der Faust voran, eben frei nach Schnauze, angepasst an das gezeigte Niveau. Also: Eine Aufzählung von Enttäuschungen, von Doofheiten, von Fuck-Ups, so erwartbar wie unnötig, über die ich mich, sorry: abfucke.

PC Games gibt bekannt, dass Bioware bald etwas bekannt gibt

Die Entwickler von Anthem wollen bald etwas ankündigen. Das ist nicht der Rede wert, solange man nicht weiß, was genau sie denn ankündigen wollen. Dennoch titelt die PC Games folgendes:

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Wie zu erwarten steht in der News nichts von Relevanz, weil – ja weil die Entwickler eben noch nichts verraten haben.

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Dass Anthem auch in Zukunft Inhalte bekommen soll, ist übrigens keine Überraschung: Von Anfang an war es als „Game As A Service“ angekündigt, das auch nach Veröffentlichung erweitert werden soll.

Quelle: PCgames.de


GamePro interessiert sich nicht für Vereinbarungen

Dreams soll ein spielbarer, ja: Videospiel-Editor werden. Derzeit befindet er sich in der geschlossenen Beta-Phase, das heißt: ausgewählte Spieler können Dreams ausprobieren, dürfen auf Grund einer Verschwiegenheitsklausel aber nicht darüber berichten. Das ist Gang und Gäbe in der Branche, zuletzt gab es beispielsweise eine geschlossene Alpha-Phase zu Anthem, bei dem so eine Klausel ebenfalls galt.

Dennoch ist nun Videomaterial zu Dreams aufgetaucht. Ein anonymer Twitter-User verbreitet ein Video, in dem jemand die nicht mehr erhältliche Demo von P. T. nachgebaut hat. Genau darüber berichtet nun die GamePro:

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Doof nur, dass das Videomaterial eigentlich gar nicht existieren dürfte. Deswegen erinnert einer der Entwickler beinahe liebevoll daran:

Man, as much as love this creation (did you made it?)
Our NDA is pretty clear… please remove it for now 😊

Gelöscht ist leider nichts. Stattdessen lenken Redaktionen die Aufmerksamkeit auf ein Video, von dem der Entwickler nicht möchte, dass es jemand sieht – und genau das mit einer Verschwiegenheitsklausel abgesichert hat, die im Übrigen auch Magazine wie GamePro oft unterschreiben. Nur: Es ist ihnen scheißegal, selbst dann, wenn sie davon wissen.

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Quelle: Gamepro.de


Gameswelt legt (fragwürdige) Quellen offen

Das Magazin Gameswelt, Moment, das klingt falsch, entschuldigt: die Clickbait-Schleuder Gameswelt sucht neue Mitarbeiter. In der Stellenausschreibung ist ein Dokument für eine Probearbeit enthalten, das so aussieht:

probearbeit.jpg

Die Aufgabe besteht also darin, ein Meldung vom Daily Star umzuschreiben. Das ist der gleiche Daily Star, der erst vor wenigen Wochen ein Interview erfand:

businessinsider.jpg

Da kommt zusammen, was zusammen gehört.

Quelle: Gameswelt.de

Mehr zum Thema: PRESSEKRITIK #02: Null gespielt, trotzdem toll: Previews sind falsch


Nazi-Vergleiche bei GameStar-Lesern

Im Rahmen einer Aktion sollen die Leser von GameStar und GamePro über die besten Artikel und Videos abstimmen. Eine Vorauswahl hat die Redaktion selbst getroffen. Sie fragt: Welche Arbeiten haben „Stahlkraft“? In der Auswahl befindet sich auch der Text über die Debatte um Kingdom Come: Deliverance:

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Das Wort „Stahlkraft“ bekommt glatt eine neue Bedeutung, wenn der Top-Kommentar unter dem Text den Blog-Eintrag, der die Debatte ausgelöst hat, mit den Methoden der Nazis vergleicht.

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Der Blog-Eintrag, ich betone erneut: der diese Debatte in diesem Ausmaße erst ausgelöst hat, ist ein gut recherchierter Beitrag über eine gewisse Blindheit im Spielejournalismus, er ist weder sonderlich problematisch noch schlecht geschrieben. Er ist gut. Sachlich. Beunruhigend ruhig. Dennoch ist da dieser schiefe Nazi-Vergleich – für den sich die GameStar-Redaktion übrigens nicht interessiert. Der Chefredakteur hält ihn lediglich für „unglücklich“.

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Unglücklich also? Mir fallen einige andere Worte dafür ein, zum Beispiel: widerlich und geschichtsvergessen, aber in Sachen widerliche, geschichtsvergessene Arschlochkommentare denkt die Redaktion offensichtlich anders.

Dass es tatsächlich nötig ist, die GameStar an die Methoden der Nazis zu erinnern, an das industrielle Massenmorden, an jene Methoden der Nazis, die für so viel unaussprechliches Leid gesorgt haben, Leid, das man mit solchen relativierenden Kommentaren herunterspielt – das macht mich so unendlich wütend. So ein Vergleich verbietet sich. Immer. Kaum etwas lässt sich mit den Methoden der Nazis vergleichen, mit den Todesmärschen, den Vergasungen, den Enteignungen, und schon gar nicht ein harmloser, auf Fakten beruhender Blog-Eintrag.

Man kann ihn doof finden, wenn man denn unbedingt will, beschissen, dreckig, falsch, dumm, blöde, hysterisch, entlarvend, siffig, so viele Umschreibungen für Negativität fallen mir innerhalb von drei Sekunden ein. Aber nichts von jenem Blog-Eintrag, nicht ein Satz, nicht ein Wort, nicht ein Buchstabe erinnert an die Methoden der Nazis.

Und dennoch darf ein GameStar-User das genau so sagen, unter einem Text, für den sich die GameStar-Redaktion feiert.

Quelle: Gamestar.de

Mehr zum Thema: Wie die GameStar Hass und Hetze toleriert – und schürt
Mehr zum Thema: Die GameStar hat ein Kommentar-Problem, Teil 2

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