Film

Mid90s: Es war cool, ein Arschloch zu sein

Noch bevor ich die Kippe am Mund spürte, schnipste ich das Feuerzeug an und setzte das Ende der Zigarette in Flammen, die sich dunkel färbte wie das rostige Lachen meiner Freunde, die ein paar Schachteln erfahrener waren als ich. Scheiß drauf, dachte ich, die erste Zigarette, sie schmeckte widerlich, doch ich war frei, ich brach das Gesetz und die Regeln meiner Eltern. Es fühlte sich eklig an, wie geil eklig doch sein kann.

Bei Stevie, 13, sieht das erste Anzünden ähnlich aus. Er ist der kleine Draufgänger in Jona Hills Regiedebüt Mid90s, und wie sich das für ein Debüt gehört, hakt es an manchen Stellen noch gehörig, was man leicht übersehen kann im sexy Knistern des auf 16mm gedrehten Films.

Ich beobachte Stevie, wie er seine zukünftigen Freunde beobachtet, wie er Türen öffnet, schüchtern wie ein Eichhörnchen beim „Wu-Tang Clan“-Konzert. Kurz darauf wird Mid90s zum Gefühl einer bestimmten Zeit, einer Kultur, in der man sich als Arschloch aufführen durfte und skatete und Videospiele zockte, für die Handlung dahinter bleibt leider nichts übrig. Stevies Bruder etwa, gespielt vom famosen Lucas Hedges, bleibt als Charakter leer, auch die Mutter darf lediglich die Spielverderberin geben.

Schade, ja doch, es bleibt ein Debüt, ein für das Publikum gedachtes warmes Erinnern an die gute, alte Zeit. Immerhin lässt Mid90s hoffen: darauf, dass in Jonah Hills Karriere doch noch was gehen könnte.

Trailer

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