Spielepresse

GTA 6 und die systematische Fake-Verbreiterei

Und täglich grüßt die Quatschmeldung zu GTA 6. Heute: vermeintliche Screenshots. Vor einigen Tagen veröffentlichte ein anonymer User angebliche Bilder zu GTA 6. Sowohl aus Cinematic-Trailern als auch vom Spiel selbst sollten diese Bilder stammen.

Stellt sich heraus: alles Fake. Folgendes Bild zum Beispiel:

copcar

Sieht so aus wie aus einem Trailer? Nein, das Auto stammt von einer Seite, die 3D-Modelle zum Kauf anbietet. Anderes Beispiel? Dieser Kopf:

kopfgta6

Zunächst ließe sich feststellen: ja, das ist tatsächlich ein Kopf. Er stammt aber nicht aus GTA 6. Das originale Bild fand man im Netz und hat nichts mit dem Spiel oder dem GTA-Studio Rockstar zu tun. Photoshop lässt grüßen.

Und wer genau recherchierte jetzt diese Einzelheiten? Natürlich nicht die deutschsprachige Spielepresse. Die berichtete nämlich so darüber:

playcentral-headline
(Playcentral.de)

pcgames-headline
(PCGames.de)

spieletipps-headline
(Spieletipps.de)

„Nein“, lautet die Antwort auf all diese Fragen. Eine Redaktion, die ernst genommen werden will, hätte das bereits vor der Veröffentlichung der News gewusst und gar nicht erst veröffentlicht. Schließlich war der vermeintliche Leak schnell wieder verschwunden, die Leakerin oder der Leaker nutzte offenbar keinen Namen, der bereits zuvor etwas von Belang verraten hat. Und: Mit ein bisschen eigener Recherche hätte man das, was nun Youtuber oder zufällige Forennutzer per Google-Suche herausfanden, auch selbst finden können.

Derlei Mühen finden im Alltag dieser Redaktionen anscheinend kaum statt, schließlich werden im Wochentakt Fakes verbreitet. Man sichert sich ab mit Worten wie „vermeintlich“, formuliert Sätze mit Fragezeichen und weist auf einen möglichen Fake hin. Die Recherche überlässt man den anderen. Hauptsache, das Top-Thema namens GTA 6 wird bedient.

Die Spieletipps-Redaktion geht dabei besonders absurd vor: Sie täuscht der Community vor, man brauche ja ohnehin keine Recherche, weil die Leserinnen und Leser so viel Spaß an der Analyse der Bilder hätten. So heißt es:

So oder so macht es sicher allen wartenden Fans Spaß, die Bilder zu analysieren und auszuwerten, ob es sich um echte Leaks handeln könnte. Also legt los und sagt uns, was ihr von ihnen haltet!

So richtig losgelegt hat man bei Spieletipps allerdings nicht: Bis zuletzt hat die Redaktion keine Zeit gefunden, die News zu berichtigen.

Für ein Online-Magazin, das als Leitbild unter anderem formuliert, man wolle „täglich“ die „besten News“ präsentieren, stellt sich natürlich die Frage, was „bestens“ daran sein soll, Fakes zu verbreiten – und sie dann nicht mal zu korrigieren.

Auch PC Games stellte die News nicht richtig. Noch immer sehen die Leserinnen und Leser einen Fake als erste Nachricht zu einem unangekündigten Spiel, und da hilft es wenig, wenn die Redaktion schreibt, es sei wahrscheinlich ein Fake, obwohl mit Headline und Einleitung etwas anderes suggeriert wird.

pcgamesuebersicht

Tatsächlich ist es bereits seit mehreren Tagen möglich, die News richtigzustellen. Das tat Playcentral am 16. September. Sorgfältig und genau beschreibt die Redaktion, warum die Bilder nicht echt sind. Klar, das hat das Magazin nicht selbst herausgefunden, doch immerhin gab es eine Korrektur in Form einer weiteren News.

Wunderschönes Detail zwischendurch: Spieletipps veröffentlichte die News zu den Screenshots am gleichen Tag, an dem Youtuber MrBossFTW in seinem Video bereits klare Beweise für eine Falschmeldung aufzeigt.

Werden die Redaktionen daraus lernen? Natürlich nicht. Erst vor einigen Wochen veräppelte ein Reddit-Nutzer weltweit dutzende Magazine, darunter auch PC Games und Spieletipps, die einen Fake verbreiteten, der mit Anlauf erlogen war. Recherche, selbst herunter gebrochen auf die Bildersuche bei Google, ist nur selten ein Teil der Arbeitsabläufe. Die oft englischsprachige Quelle wird gesichtet, übersetzt, veröffentlicht – fertig. Mittlerweile bleibt sogar für eine Richtigstellung keine Zeit mehr.

Wofür hat PC Games stattdessen Zeit? Für ein Facebook-Posting:

pcgames-facebook

Wo die Prioritäten liegen, ist nun wohl klar.

 


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