Medienkritik

14 Menschen sollt ihr sein und selbst das ist noch zu wenig, GIGA Games ignoriert euch eh

Zehn Euro für Star Wars, zehn Euro für Pokémon, zehn Euro für die Welt, das verspricht euch GIGA Games. Zumindest fast. Was soll man also von einer Redaktion erwarten, die den Leserinnen und Lesern verspricht, dass ein nigelnagelneues Spiel statt 60 nur 10 Euro kostet, obwohl das genau genommen geflunkert ist? Nix sollte man da erwarten, gar nix. Und doch befremdet es, wie GIGA Games die eigene Community ignoriert und selbst kleinste Fehler nicht verbessert.

Es beginnt – wie alle Geschichten, die zierlich starten und dann epochal werden – mit Star Wars. Na klar.

headline-yoda

Wenn diese Überschrift nicht bereits das Gefühl vermittelt, nun doch etwas zu lesen, das mehr zu bieten hat als den Namen einer verschrumpelten Yoda-Verjüngung, weiß man es spätestens nach dem Lesen der News besser. Schließlich verrät niemand den Namen der kleinen Kreatur. Nirgends. Es heißt lediglich: Ja, Baby-Yoda hat einen Namen, aber wir, die Macher der Mandalorian-Serie, geben ihn noch nicht bekannt.

Das ist die News. Und eine News, die verrät, das niemand etwas verraten will, ist auch ohne stirnrunzelndes Nachdenken verflixt leer. GIGA Games schafft es aber, sich zu unterbieten. So heißt es in der News:

„The Mandalorian entpuppte sich schnell als äußerst erfolgreiche Disney Plus-Serie. Es geht darin zwar im Wesentlichen um den Kopfgeldjäger Boba Fett, der heimliche Star ist und bleibt allerdings Baby Yoda.“

Ja, nein, Moment, da stimmt etwas nicht. In „The Mandalorian“ geht es primär um einen Kopfgeldjäger, korrekt, nur heißt er nicht Boba Fett. Herr Fett ist zwar Teil des Kanons und eventuell sogar noch am leben, aber vielleicht auch tot, vermutlich eher tot, man weiß es nicht, jedenfalls tritt er in den alten Star-Wars-Filmen auf, also Episode 5. Eventuell sieht man kurz einen Fuß von Boba Fett in der aktuellen Serie, vielleicht auch nicht, vermutlich eher nicht.

Ein kleiner Fehler, könnte man meinen, einer, der schnell verbessert ist. Nicht der Rede wert. Kann passieren, sehen sich ja auch ähnlich, die beiden Jäger, einer ist ein bisschen fetter als der andere. Problem ist: GIGA Games interessiert es nicht. Die News erschien am 7. Januar und seit dem 7. Januar freut sich Boba Fett darauf, als „The Mandalorian“ neben der noch namenlosen Kreatur mit eventuell bald anstehender Namensbekanntgabe der Protagonist einer Serie zu sein, in der ihn niemand sonst erkannt hat, wenn überhaupt nur ein Fuß, aber vermutlich eher nicht.

Die Behauptung, GIGA Games habe davon nichts mitbekommen, zieht übrigens nicht.

Am gleichen Tag, also am 7. Januar habe ich GIGA Games auf Twitter verlinkt und wies auf den Fehler hin. In der Kommentarspalte der News schreiben nicht zwei, nicht drei, auch nicht vier, fünf, sechs oder sieben oder zehn User über den Fehler, nein, es sind vierzehn. Vierzehn Kommentare, die – mal mehr, mal weniger sachlich – darüber diskutieren. Kein Mitglied der Redaktion reagierte.

Dass News und Artikel bei Twitter vielleicht automatisiert gepostet werden und somit niemand auf Fragen an die Redaktion reagiert, kann gut sein. Geschenkt. Doch wenn vierzehn Beiträge von Leserinnen und Leser auf einen kleinen, aber doch elementaren Fehler verweisen und niemand von GIGA antwortet, ist das peinlich. Warum? Kleine Erinnerung: So schreibt die Mutterfirma Ströer über GIGA Games.

„GIGA GAMES ist anders. Hier ist der Leser Teil einer aktiven Community, hier schreiben Redakteure mit Meinung und einem Gesicht dazu. Statt auf austauschbare Produktinformationen setzen wir auf Persönlichkeit und eine gute Portion Humor. Für uns sind Games Kultur – und ein wichtiger Teil unseres Lebens.“

Offenbar bedeutet „aktive Community“ im Fall von GIGA Games, dass alle anderen aktiv sind – nur die Redaktion von GIGA Games nicht.

Ein weiteres Beispiel für eine schräge News ist ein kurzer Abschnitt aus einem Beitrag über vermeintliche Assassins-Creed-Leaks. So heißt es dort:

„Eigentlich habe ich nichts gegen Leaks oder Gerüchte, solange sie in den richtigen Kontext gesetzt werden. Irgendwie macht es ja auch Spaß, ein bisschen zu tüfteln und sich vorzustellen, dass dieses oder jenes stimmen könnte, nicht? Fakt ist auch, dass Leaks gerne in der Spielepresse verwendet werden, denn sie interessieren eben. Gut recherchiert wird dabei (leider) nicht überall.“

Ein Mitglied der GIGA-Redaktion schreibt also, dass bei Leaks leider nicht immer gut recherchiert wird, und tatsächlich merkt kein anderes Mitglied der GIGA-Redaktion, dass auch GIGA Games nicht gut recherchiert. Beispiel? Ein anonymer Reddit-Nutzer ohne vertrauenswürdige Vergangenheit oder Beweise denkt sich Quatsch über „Red Dead Redemption“ aus; ein fürchterlich leicht zu erkennender Leak, der absolut keine Grundlage besaß. Wer verbreitete ihn? GIGA Games (mehr dazu hier).

Im Mai 2019 veröffentlichte GIGA Games eine weitere News über einen vermeintlichen Leak zu „Assassin’s Creed“. Damals hieß es:

„Was im letzten Monat noch reine Spekulation war, scheint jetzt durch einen Leak bestätigt worden zu sein: Der nächste Assassin’s Creed-Teil wird in einem Wikinger-Setting spielen.“

Passend zum Leak gab es einige verschwommene Screenshots aus dem Spiel zu sehen, ja, schon klar, war natürlich alles Fake. Wer fand es heraus? Verschiedene Spielerinnen und Spieler, nicht aber GIGA Games, die den Leak bis heute in der News nicht richtig gestellt hat. Noch immer sind die vermeintlichen Bilder zu sehen, die ein User lediglich in der kostenlosen Unity-Engine und aus bereits verfügbarem Material erstellt hat.

All das kommt von einer Redaktion, die in Headlines das Blaue vom Himmel verspricht, die Community in die Irre führt und Dinge behauptet, die niemand sagte (hier mehr dazu). Überraschend ist dieses Verhalten also nicht.

Vielleicht lebt die GIGA-Redaktion in einer Welt, die heile ist, frei von Fehlern, ein bisschen verblendet vielleicht, aber sonst schön und sanft und gut, einfach gut. Ich glaube, ich kenne wen, der uns die Untätigkeit erklären könnte. Hat jemand die Kontaktdaten von einem Mann namens Fett, Boba Fett?

Nachtrag:

GIGA Games hat die News korrigiert. Es dauerte drei Wochen. Drei.

„Update vom 29. Januar 2020: In einer früheren Version des Textes haben wir Mando fälschlicherweise als Boba Fett bezeichnet. Danke für den Hinweis, wir haben das nun korrigiert. Möge die Vergebung mit uns sein.“

2 Kommentare

  1. Auch mir sind fehlerhafte bis hin zu unwahren Überschriften (auch) auf Giga Games aufgefallen.
    Die Tatsache, dass diese bis heute nicht richtig gestellt wurden, zeigt für mich im Kern wie wenig Respekt eine Spieleseite vor ihren Lesern hat, wenn sie nicht willens oder fähig ist, Hinweise zu Falschinformationen zumindest zur Überprüfung in Erwägung zu ziehen und darauf zu reagieren.

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    1. Das ist etwas, das ich eigentlich auch aufschreiben wollte, aber nicht so richtig rüberbringen konnte: der fehlende Respekt vor der Community. 14 Kommentare, die einzig und allein dazu dienen, die Redaktion auf einen Fehler hinzuweisen, bleiben unbeachtet. Das ist nicht nur Faulheit oder Ignoranz, sondern – wie du richtig sagst – fehlender Respekt.

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