Medienkritik

Der seltsame Fall von nicht markierter Werbung bei Spieletipps

Ob man der Annahme, Spieletipps-Mitarbeiter*innen würden tagein, tagaus nicht die eigene Seite beachten, jetzt eventuell doch glauben sollte? Seit über einem Monat veröffentlicht Spieletipps nicht markierte Werbung, die dann doch markiert ist, nur leider kaum jemand erkennen kann.

Bereits im Februar schrieb ich über die Stille, mit der Spieletipps das Thema bedeckt. Mehrfach wies ich das Magazin auf Twitter auf folgendes Problem hin:

headlineartike

Die übergroße Verlinkung auf der Startseite von Spieletipps.de ist kein redaktioneller Artikel, sondern ein Verweis auf eine bezahlte Kooperation zwischen GIGA und eBay. Erkenntlich wird das auf Spieletipps.de nicht. Warum? Weil oben rechts eigentlich automatisch das Wort „Anzeige“ generiert wird – in weißer Schrift. Immer. Wenn nun aber die Anzeigenabteilung/die Redaktion ein weißes Hintergrundbild für den Kasten verwendet, ist die Markierung nicht zu sehen.

Von der eBay-Kooperation ließen sich mehrere Varianten finden. Bereits zuvor ploppten immer wieder Hintergrundgrafiken auf, die das Wort „Anzeige“ verschluckten.

anzeige-schlechtmarkiert

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Da diese Anzeigen nicht mehr zu finden sind, könnte man annehmen, Spieletipps habe das Problem behoben. Leider ist das nicht der Fall. Offenbar sind die Kooperationen lediglich ausgelaufen oder nicht mehr aktuell. Denn es ist neue Werbung dazu gekommen.

windows10

Folgt man dem Link, kommt man auf eine Kooperation von GIGA und Media Markt. Bei Spieletipps lässt sich rechts oben zwar erahnen, dass da ein Wort mit „a“ beginnt, eventuell „Aldi“ oder „Antiterroreinheit“ oder „Anzeige“, man weiß es aber nicht sicher. Ob es sich um Werbung handelt, lässt sich nicht zweifelsfrei sagen.

Es geht munter weiter.

internetradio

Ein Klick auf den Link führt zu der Seite „MyTest“, die – wie Spieletipps und GIGA auch – der Mutterfirma Ströer angehört und auf die Möglichkeit eines Tests von Produkten der Firma Medion hinweist. Das Wort „Anzeige“ ist hier zwar besser zu erkennen, aber eben auch nur schwerlich – und schon gar nicht auf den ersten Blick.

Und was ist das da? Eine weitere Anzeige.

audiobücher

Hier kommt man auf eine Kooperation von GIGA und Audible. Die Markierung als Anzeige ist in Gänze sichtbar, kann aber ebenfalls leicht übersehen werden.

Im Pressekodex heißt es dazu:

„Bezahlte Veröffentlichungen müssen so gestaltet sein, dass sie als Werbung für den Leser erkennbar sind. Die Abgrenzung vom redaktionellen Teil kann durch Kennzeichnung und/oder Gestaltung erfolgen. Im Übrigen gelten die werberechtlichen Regelungen.“

Ob diese Anzeigen „sichtbar“ für Leserinnen und Leser als Werbung gekennzeichnet ist, bleibt fraglich. Richtig ist: In der mobilen Version von Spieletipps.de sind einige der Werbeformen besser zu erkennen. Nicht jede Besucherin und nicht jeder Besucher ruft Spieletipps in der Mobile-Version auf. Das führt zurück zum eigentlichen Problem: Ausreichend ist die Kennzeichnung somit zumindest bei hellen oder weißen Hintergrundgrafiken nicht.

Oh, übrigens, beim Scrollen habe ich dann noch eine Anzeige gefunden:

podcasts

Eine zweite Kooperation von GIGA mit Audible verbirgt sich hinter diesem Link-Kasten. Und erneut ist „Anzeige“ kaum erkennbar.

Dass meine Anfang Februar veröffentlichten Hinweise bei Twitter niemand von Spieletipps bemerkte, ist zwar bedauerlich, lässt sich aber eventuell durch ein automatisiertes Posten von Inhalten auf dem Twitter-Kanal erklären. Ein offiziell erstellter Kanal, der nicht von Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter gesichtet wird, ohne einen Hinweis darauf, führt den Sinn eines sozialen Netzwerks ohnehin ad absurdum.

Merkwürdig wird es aber durch die schlichte Tatsache, dass offenbar niemand von Spieletipps auf die eigene Website guckt. Einfach mal schaut, wie es aussieht, das Ganze. Die Startseite. Die Werbung. Die Artikel. Wie kann das sein?

In den vergangenen Wochen habe ich noch weitere Anzeigen gefunden, die allerdings zum Zeitpunkt der Veröffentlichung meines Artikels nicht mehr zu finden waren. Am 23. Februar sah das zum Beispiel so aus:

mediamarkt2

Ebenfalls am 23. Februar war folgende Anzeige online:

tarif

Absurder und problematischer wird es mit jeder neuen schlecht einsehbaren Anzeige. Wo Nutzerinnen und Nutzer der mobilen Version der Seite sicherlich einfacher Markierungen erkennen können, gilt das andersherum für Leserinnen und Leser der Desktop-Variante nicht. Leicht ließe sich das Problem lösen, wenn man links im Kasten bei der Headline das Wort „Anzeige“ einfügen würde. Sofort wäre der Artikel als Werbung gekennzeichnet, das Problem mit weißen Hintergrundgrafiken wäre vorerst behoben.

Da man allerdings daran zweifeln kann, ob Spieletipps überhaupt Inhalte in der Live-Version der Seite sichtet, dürfte dieses absurde Hin und Her noch einige Wochen weitergehen.

Und nein, eine Beschwerde beim Presserat ist nicht möglich: Spieletipps hat keine Selbstverpflichtungserklärung abgegeben.

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