Spielepresse

Ingame.de: Von C wie Casino bis C wie Clickbait

Und am siebten Tag erschuf Gott den Himmel und die Erde und das ganze Gedöns – nur GTA 6 ließ er unvollendet. Hat er verpennt. Seitdem leidet die Menschheit unter gefälschten Eilmeldungen und eilgemeldeten Falschmeldungen. Wer nach „GTA 6“ googelt, findet alles und nichts. Zunächst nur Gerüchte, dann Unwahrheiten und letztlich Lügen, manchmal alles gleichzeitig; letztlich ist GTA 6 die BILD-Zeitung der Videospiele. Wer nach „GTA 6“ sucht, findet ein Magazin indes besonders häufig: Ingame.de. Das ist kein Zufall.

Das Ingame-Netzwerk bezeichnet sich selbst als „Deutschlands größtes und unabhängiges Gaming & Entertainment-Netzwerk“. Aus mehreren Communitys und Gaming-Seiten bestehe es, die im „Dachportal Ingame.de“ das „Herz“ finden – bereits seit 1998. Nach eigenen Angaben kommt das Netzwerk auf 4,1 Millionen Unique-User. Zum Vergleich: GameStar kommt auf 6,21 Millionen Unique-User, PC Games liegt bei 4,38 Millionen.

Ingame ist übrigens ein „Produkt“ der „Inwave Media GmbH“, eine Media-Agentur aus Hamburg. Und ja, das steht da so: ein „Produkt“ ist Ingame.de. Ein, naja, unabhängiges Produkt.

Bereits in meinem Artikel über die GTA-Berichterstattung der Spielepresse erwähnte ich Ingame bereits als Profiteur von einem riesigen Netzwerk aus regionalen Zeitungen und Magazinen, die von der Zentralredaktion der Ippen-Verlagsgruppe gefüttert werden und sich untereinander mehrfach verlinken.

Nicht nur, aber vorwiegend über GTA 6 veröffentlicht Ingame unzählige vermeintliche News, die in der Headline alles versprechen – und letztlich nicht mal einen Fitzel an validen Informationen liefern. Gemeinhin nennt man das Clickbait. Wer allerdings genauer hinsieht, entdeckt ein geradezu skurriles Bild vom „unabhängigen Gaming & Entertainment-Netzwerk“, das wiederholt und teilweise unkritisch über Online-Casinos berichtet.

Inhalt:


Clickbait: Nein, GTA 6 kommt nicht

Zunächst fällt die News-Berichterstattung auf; häufig emotionalisiert, nicht so häufig sachlich und differenziert. Wer den Überschriften vertraut, wird oft genug enttäuscht, häufiger in die Irre geführt. Eine Analyse der News aus den vergangenen Monaten zeigt ein System.

Kein gutes, wohlgemerkt.

gta6-ankuendigung
(Ingame.de)

Abgesehen von dem Offensichtlichen (oder läuft der Mai dieses Jahr länger?), war die News von Beginn an irreführend. Take Two, Mutterfirma von Rockstar, gab für Mai lediglich den Termin für die Veröffentlichung einer Umsatzprognose bekannt. Nirgends gab es echte Hinweise, die auf eine Bekanntgabe von GTA 6 hingedeutet haben. Auch das Wording „fester Termin“ war somit irreführend, da zwar ein fester Termin für die Umsatzprognose genannt wird, nicht aber für die Ankündigung von GTA 6, wie Ingame hier nahelegt.

gta6-demo
(Ingame.de)

Ingame suggeriert, es gebe eine Demo von GTA 6, die den Fotorealismus des Spiels auf der PlayStation 5 zeigen soll. Das ist Quatsch. Der Anlass der News ist so simpel wie stumpf: Reddit-Nutzer*innen spekulieren, wie sich die neu veröffentlichte Demo der „Unreal Engine 5“ auf GTA 6 auswirken könnte. Reichlich absurd ist dann folgende, allseits bekannte Tatsache: Rockstar Games benutzt eine eigene Grafik-Engine. Der „Fotorealismus“ der PS5-Demo hat also nicht nur nix mit GTA 6 zu tun, auch die Herleitung zur Engine von GTA 6 liefert keine echten Infos.

gta6-infos
(Ingame.de)

In der News wird er so zitiert:

„Ich weiß nichts darüber.“


gta6-leak
(Ingame.de)

Der Begriff „enthüllt“ suggeriert, ein Insider oder eine Insiderin habe tatsächliche Infos veröffentlicht. Das ist falsch. Anonyme 4chan-Nutzer*innen haben offensichtliche Fake-Leaks erdichtet. Nichts wurde enthüllt, noch immer ist nichts über GTA 6 bekannt.

gta6-london
(Ingame.de)

Nein, es geht nicht nach London. Aufgetaucht ist das Video nicht unter mysteriösen Umständen aus dem Studio von Rockstar, sondern: ein Fan hat ein London-Konzept erstellt. Inklusive Video. Ohne jeden offiziellen Bezug zu Rockstar.

gta6-reveal
(Ingame.de)

Ende Februar veröffentlichte ein anonymer Reddit-Nutzer die „Info“, er vertraue einer Person, die mit Lizenzvorgängen von Musik vertraut ist und laut dieser Person „weniger als einen Monat vor Veröffentlichung des Trailers“ Entwickler*innen an sie herantreten. Die „entscheidenden Hinweise“ stammen also von einem anonymen Reddit-Nutzer, der gehört hat, eine ihm nahe stehende Person habe auch etwas gehört – keiner davon war nachweislich in die Produktion von GTA 6 oder Rockstar involviert.

gta6-trailer
(Ingame.de)

Mit GTA 6 hat der „Retro-Trailer“ nichts zu tun. Ein Fan erstellte das Video, das lediglich einen Schriftzug enthält.

ps5-preis
(Ingame.de)

Es handelt sich um Platzhalter. Der offizielle Preis der PS5 ist noch nicht bekannt.

schutzmaske
(Ingame.de)

Nicht nur irreführend, sondern gleich gänzlich falsch ist diese News um Mundschutzmasken. Richtig ist: Ab einem Bestellwert von 100 US-Dollar im Square-Enix-Shop legt das Unternehmen eine Mundschutzmaske gratis dazu. Es ist nicht möglich, sie einzeln zu kaufen. Entsprechend kann der Preis auch nicht „dreistellig“ sein, wie Ingame suggeriert, weil es schlicht keinen Preis dafür gibt.

montana-simpsons
(Ingame.de)

Es gibt keinen Auftritt von MontanaBlack bei den Simpsons. Ein Fan hat lediglich ein Bild von ihm im Stil der Simpsons veröffentlicht.

montana-simpsons2
(Ingame.de)

Nein.

gta6-bald
(Ingame.de)

Auf privat gestellte YouTube-Videos und ein willkürliches Artwork auf der Rockstar-Homepage sind keine „Hinweise“, schon gar nicht auf einen „baldigen“ Release. Es ist zudem völlig unklar, ob sie in irgendeiner Weise mit GTA 6 in Verbindung stehen.

montana-bohlen
(Ingame.de)

„Legende“.

tourette
(Ingame.de)

Für Ingame ist das Tourette-Syndrom also „kurios“.

unterwaesche-poki
(Ingame.de)

Nein. Bei einem Umzug ging ihre Unterwäsche „lost“, wie sie in einem Tweet schrieb. Nichts deutete auf einen Diebstahl hin.

wuffwuff
(Ingame.de)

Das stimmt nicht. Der Hund der Streamerin Alinity schnupperte für einen kurzen Augenblick an ihrem Po, als sie in einer Yoga-Pose verharrte. Der nun gebannte Streamer hat diesen Vorfall als sexuellen Akt gezeichnet und legte nahe, Alinity würde dies genießen. Mal abgesehen von der ohnehin boulevardesken Berichterstattung über ein absurdes Thema, verfälscht Ingame hier die Tatsachen.

pokimane-middlefinger
(Ingame.de)

Auch hier dichtet Ingame der Story etwas hinzu, das so nicht stattgefunden hat. Denn Pokimane zeigt eben nicht dem Spender den Mittelfinger, sondern der Situation in einem Spiel, bei dem sie zum gleichen Zeitpunkt scheitert, wie sie nur wenige Augenblicke nach dem Vorfall erklärt.

gta6-map
(Ingame.de)

Nein. Die Map stammt von Fans.

Die Einbindung von Ingame in die Zentralredaktion der Ippen-Verlagsgruppe ermöglicht ein riesiges System aus Querverlinkungen, das vermutlich auch Vorteile in der Suchmaschinenoptimierung birgt. Im Ingame-Impressum heißt es, Beitrage aus der Zentralredaktion seien mit dem Kürzel „zr“ gekennzeichnet.

Dies gilt vor allem für  Regionalzeitungen, die die selben Quatschmeldungen veröffentlichen und dann auf Ingame verlinken.

„GTA 6: Release noch 2020? Händler spricht über Termin“Merkur.de

„GTA 6: Release noch 2020? Händler spricht über Termin“TZ.de

„GTA 6: Release noch 2020? Händler spricht über Termin“Westfälischer Anzeiger

„GTA 6: Release noch 2020? Händler spricht über Termin“Kreiszeitung

„GTA 6: Release noch 2020? Händler spricht über Termin“Nordbuzz

„GTA 6: Enormer Umfang und Release-Datum geleaked?“Hessische Niedersächsische Allgemeine

„GTA 6: Hat Entwickler Rockstar sich verplappert? Kommt der Reveal?“Offenbach Post

„GTA 6: Hat Entwickler Rockstar sich verplappert? Kommt der Reveal?“Frankfurter Neue Presse

„GTA 6: Schauplatz durch Fans geleakt? Setting verursacht einen Hype“Frankfurter Rundschau

Was der Optimierung für Suchmaschinen ebenfalls zugute kommt, ist das ständige Aktualisieren der jeweiligen News. Beispiel: Eine News, die einen angeblichen Trailer zu GTA 6 zeigen soll, wurde zuletzt am 29. Juni 2020 aktualisiert, obwohl die dafür genutzte Quelle über ein Monat alt ist. Perfide ist hierbei, dass Ingame es unmöglich macht, das ursprüngliche Veröffentlichungsdatum der News herauszufinden.

Das nimmt mitunter groteske Züge an, wie dieses Beispiel zeigt:

verschobenlou2-ingame
(Ingame.de)

Am 25. Juni 2020 titelt Ingame, The Last of Us 2 wurde verschoben – sechs Tage nach der Veröffentlichung von The Last of Us 2. Was ist hier passiert? Ingame hat eine ältere News über die Verschiebung des Spiels vom 2. April schlicht mit neuen Links aktualisiert, ohne die eigentliche Meldung ebenfalls aktualisiert zu haben. Dabei zeigt die Redaktion nicht auf, welche Inhalte sie der News nachträglich hinzugefügt hat.

Bei einem Spiel wie GTA 6, das offiziell gar nicht existiert, gibt es derlei Fehler nicht, weil jedes Gerücht, egal wie unsinnig es auch sein mag, stets zeitlos ist. Ein von Fans erstellter Trailer, der bereits ein halbes Jahr alt ist, verliert für Ingame keine Aktualität, weil ja ohnehin nix offiziell ist. Viele der Ingame-News sind daher oft bei Google News zu finden, weil das aktualisierte Datum den Anschein neuer Berichterstattung weckt.


Werbung? Oder Suchmaschinenoptimierung?

In den Tiefen der Ingame-News fleucht noch mehr, und diesmal ist die Absicht dahinter nicht klar erkennbar. Wer clickbaitet, hat ein Ziel, und dies will er oder sie mit unfairen Mitteln, nämlich: Täuschung, erreichen.

Einige „News“, wie Ingame sie nennt, fallen jedoch in eine andere Kategorie.

fotoaendern-vollleicht
(Ingame.de)

Der Ingame-Chefredakteur schreibt in der News:

„Irgendwann kommt der Zeitpunkt an dem man sich denkt, dass es doch prima wäre, sich selbst zu fotografieren und vor einen anderen Hintergrund zu stellen.“

Laut Ingame sei das „alles kein Problem“. Eine bestimmte Plattform kommt dem Chefredakteur dafür in den Sinn:

„Laut Movavi.de lässt sich der Hintergrund eines Fotos einfach ändern. Hierfür wird nur die richtige Software benötigt und schon schneiden Sie sich (oder welches Objekt auch immer) aus, um sich an eine völlig andere Stelle zu produzieren. Im Film wird dies aufwendig mit sogenannten Greenscreens oder Bluescreens umgesetzt. Doch das geht auch ganz einfach zu Hause ohne aufwendige Studiotechnik.“

Die erwähnte Software stammt natürlich nicht von irgendeinem Unternehmen – sondern von der bereits erwähnten Firma „Movavi“. Sie sei „günstig, intuitiv und eignet sich perfekt für die Änderung von Hintergründen“, wie es in der News weiter heißt. In sieben Absätzen erklärt Ingame die Funktionen der „Movavi“-Software.

Schließlich heißt es am Ende der News:

„Für Einzelunternehmer oder Kleinunternehmen, die sich keine teuren Grafiker leisten können oder wollen, ist diese Art der Bildbearbeitung hocheffizient.“

Obwohl „das Programm selbst […] noch viel mehr als bloß den Hintergrund retuschieren“ könne, sei die „komplette Palette der Bildbearbeitung“ mit dem „Mac Photo Editor durchführbar“.

Der bei Ingame angegebene Link führt zur Homepage von „Movavi“. Dort wird erneut beschrieben, wie sich der Foto-Hintergrund ändern lässt. Gleichzeitig kann man auf der Seite die Software „gratis downloaden“.

Bei der Bewertungsplattform „Trustpilot“ kommt „Movavi“ auf eine beachtliche Durchschnittswertung von 4,3 von 5 möglichen Punkten. Insgesamt 76 Prozent der 6.100 abgegebenen Stimmen haben die höchste Bewertung vergeben. Ein genauerer Blick offenbart allerdings gewisse Ambivalenzen.

So heißt es in einer Bewertung:

„Das Programm macht erstmal einen guten Eindruck, relativ leicht zu bedienen.
Aber nach sehr kurzer Zeit bestätigt sich, was in vorausgehenden Bwewertungen beschrieben steht: es wird ein Upgrade empfohlen auf eine neuere Version, wenn man diese lädt, folgt kein Hinweis auf anfallende Kosten, nach Bearbeitung und dem Versuch das Video zu speichern, hängt sich das Program auf, und man erhält den Hinweis , mit einer nicht bezahlten neuen Version zu arbeiten und den Bezahlbutton.“

Und:

„Ich rate jedem davon ab, eine Lizenz für Movavi Video Editor Plus zu kaufen! Nicht nur, dass man bei jedem Start aufgefordert wird, gegen Bezahlung die diversen Programm-Fehler per Upgrade zu lösen. Das Programm selbst wurde immer langsamer, trotz bester Rechner-Hardware.“

In einer weiteren Bewertung heißt es:

„Reines Bauernfänger Produkt, als Free angepriesen, aber ohne Kauf völlig nutzlos“

Eine weitere Nutzerin schreibt:

„Die Bedingungen der Testversion sind nicht klar gekennzeichnet. Wer also glaubt, er könne mit dem Programm, wie angegeben sieben Tage kostenlos arbeiten, täuscht sich, oder besser, wird getäuscht. Erst beim Abspeichern wird man darüber informiert, dass ein Wasserzeichen durch das Video läuft, die Audiodateien nur teilweise wiedergegeben werden. Das geschnittene Video wird also praktisch unbrauchbar.“

Nun ist die überwältigende Mehrheit der Bewertungen noch immer positiv. Was auffällt: Eine Stichprobe zeigt, dass einige Accounts lediglich eine Bewertung abgegeben haben: zu „Movavi“. Andersherum weisen viele Nutzer*innen mit verifizierbaren Bild und Klarnamen ebenfalls nur eine Bewertung auf.

Ob „Movavi“ nun eine gute Software ist oder nicht, spielt eine untergeordnete Rolle, wenn man bedenkt, dass Ingame mit einem Text, der als „News“ betitelt ist, gar keine News veröffentlicht, sondern eine Mischung aus Tutorial – und etwas, das wie Werbung klingt, aber vermutlich einer undifferenzierten Suchmaschinenoptimierung entstammt.

Warum Ingame beispielsweise nicht das offenbar problematische Finanzierungsmodell von „Movavi“ erwähnt, bleibt unklar.


Kurios ist zudem folgendes Beispiel:

webspace-verkauf
(Quelle: Ingame.de, offenbar wurde der Artikel während meiner Recherche gelöscht, hier gibt es Archivaufnahmen)

Nein, das ist keine Werbung. Zumindest keine, die einen Hinweis darauf enthält. Laut Ingame handelt es sich um eine News.

webspace-verkauf2

webspace-verkauf3

Der erste Satz der News, den der Geschäftsführer der „inwave Media GmbH“ verfasst hat, lautet:

„Mit Webspace-Verkauf.de ist ein Webspace/Hosting Service jeden für Streamer und Gamer.“

Zunächst scheint es sich um eine Art Guide zu handeln.

„Wir zeigen Ihnen, worauf Sie beim Webspace beziehungsweise beim Hosting achten sollten und welche Überlegungen und Planungen Sie vor den ersten Schritten unbedingt beachten sollten. So gelingt der Sprung zum eigenen Angebot spielend einfach.“

Wer als „Gamer“ oder „Streamer“ eine sogenannte Followerschaft aufgebaut habe, kenne das Problem der Kommunikation, die auf verschiedenen Plattformen abläuft. Eine eigene Website biete die Möglichkeit, dass sich Follower „zentral“ informieren können, wie Ingame schreibt. Bei „Webspace-Verkauf.de“ sei das das günstig:

„Die Kosten für Webhosting und eine eigene Domain sind auch durchaus überschaubar, bei Webspace-Verkauf.de erhalten Sie bereits ab 1,49 € mtl. Webhosting mit einer .de-Domain.“

Die folgenden Absätze erklären sachlich und ohne weitere Nennungen von expliziten Angeboten die Vorteile, die eine eigene Seite bieten kann, etwa die Durchführung von Gewinnspielen und Verlinkung auf Social-Media. Nach sechs Absätzen kommt Ingame an den Punkt, bei dem es um die verschiedenen Anbieter geht.

„Die Suche nach dem richtigen Anbieter ist nicht einfach. Über verschiedene Anbietervergleichsseiten und Bewertungsportale können Sie sich schnell einen ersten Eindruck verschaffen und einzelne Angebote ausschließen.“

Welches Angebot erwähnt Ingame drei Sätze später? Genau.

„Bei Webspace-Verkauf.de haben Sie auch die Möglichkeit eines kostenlosen Test-Accounts, sodass Sie sich einen direkten Überblick verschaffen können. Somit wird die Suche deutlich einfacher und effizienter.“

Wie genau das Hosting aussehen soll, erklärt Ingame ebenfalls und erläutert die Unterschiede zwischen „Shared Hosting“ und „vServer“. Restlos kurios liest sich dann folgender Satz:

„Gerne können Sie sich bei Webspace-Verkauf.de auch von dem Premium-Support beraten lassen.“

Das steht da so. Wohlgemerkt: ohne Markierung als Werbung. Wie kann ein Satz, den man auf der firmeneigenen Homepage von „Webspace-Verkauf.de“ erwartet, in einem redaktionellen Text stehen?

Beim Thema Festplatten schreibt Ingame:

„Bei Webspace-Verkauf.de werden alle Hosting-Produkte und vServer zu 100% auf schnellen SSD-Festplatten betrieben.“

Insgesamt wird „Webspace-Verkauf.de“ 17 mal erwähnt, inklusive Nennungen in Bildunterschriften. Apropos Bilder: die Urheberrechte der insgesamt vier verwendeten Bilder liegen bei „Webspace-Verkauf.de“, wie Ingame schreibt.

Sollte es sich um eine redaktionell unabhängige Berichterstattung handeln, bleibt fraglich, warum im gesamten Text lediglich „Webspace-Verkauf.de“ als Anbieter genannt wird. Es scheint sich nicht um einen wie auch immer gearteten Testbericht des Angebots zu handeln, da der Text die vermeintlichen Vorteile einer eigenen Internetseite behandelt – und zwischendurch betont, „Webspace-Verkauf.de“ sei der optimale Partner dafür.


Was ist vertrauenswürdig und reimt sich auf Schmollowersnet? Genau, „Followersnet“, eine seriöse Plattform für Social Media Marketing.

ingame-followerkauf
(Ingame.de)

Der stellvertretende Ingame-Chefredakteur kümmert sich offensichtlich nur um die wichtigen Dinge im stellvertretenden-Chefredakteurs-Leben.

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Obwohl noch nicht geklärt ist, ob „Followersnet“ eure Erstgeborenen klaut oder doch seriös ist, darf der Link zur Plattform natürlich nicht fehlen. Und doch versteckt Ingame bereits den ersten Hinweis auf die Qualität von „Followersnet“, schließlich würde eine Verlinkung auf ein unseriöses Portal das darüber schreibende Portal doch ebenfalls verflixt windig erscheinen lassen – und das will die Ingame-Redaktion bestimmt nicht.

Oder?

Natürlich muss erst der Elefant im Raum thematisiert werden.

„Im rechtlichen Sinne wandelt das Kaufen und Verkaufen von Likes, Kommentaren, Youtube-Views und Followern noch immer in einer Grauzone. Während private Nutzer nur selten mit Problemen rechnen dürften, weil sie schließlich nur ihre Selbstdarstellung etwas aufpolieren, fällt die Einschätzung des geschäftlichen Bereiches deutlich schwerer. Wer im großen Stil Klicks kauft, kann unter Umständen mit einer Abmahnung rechnen.“

Und weiter:

„Da die Rechtslage derzeit allerdings noch ungeklärt ist und bei deutschen Gerichten noch kein Präzedenzfall vorliegt, bleibt der Kauf von Instagram-Followern aktuell im seriösen Bereich.“

Ah, dann wäre das geklärt. Was der mit „Followersnet“ überschriebene und auf „Followersnet“ verlinkende Artikel über „Followersnet“ schreibt, ist übrigens positiv. Sehr.

„Hier bietet Followersnet ein Sicherheitsnetz, welches vor allem dafür sorgt, dass die neuen, automatisierten Follower und Klicks nicht weiter auffallen – ein wichtiger Punkt, denn schließlich soll der Fortschritt ja organisch wirken.“

Übersetzt heißt das: Ganz so schnell fliegt der grauzonige Beschiss nicht auf. Und selbst wenn: eh alles anonym.

„Innerhalb weniger Stunden können hunderttausende Klicks auf das eigene Profil wandern und das vollkommen anonym.“

Und weil der mit „Followersnet“ betitelte und auf „Followersnet“ verlinkende Artikel über die Geilheit von „Followersnet“ gänzlich unabhängig entstand, schreibt Ingame, „Followersnet“ verspreche „diskretes und unauffälliges Wachstum“ mit Accounts, die sich nicht von „richtigen Usern“ unterscheiden lassen.

„Beachtet jedoch: Es kann durchaus passieren, dass die Anzahl gekaufter Follower bereits nach einigen Tagen leicht zurückgeht, denn schließlich arbeiten Instagram und Co. aktiv daran, Accounts zu löschen, die nicht immer Sinne der Plattform agieren.“

Was?

Die Formulierung „nicht immer im Sinne der Plattform agieren“ sollte eingerahmt werden, und sie sollte direkt unter dem Gemälde „Der Insta-Statistik-Einbruch“ prangen.

„Followersnet“ lässt sich ebenfalls auf „Trustpilot“ bewerten. Die durchschnittliche Bewertung: 2,5 von 5 Sternen.

61 Prozent der 23 abgegebenen Reviews haben lediglich einen Stern vergeben. So heißt es in einer Bewertung:

„We did Order Klicks for 300 Euro . Even after 8 days and many mails they did nothing. We did not get the Clicks. After we wrote, to send the money back, they did not answer. We are very dissapointed. Next Week we will speak with our lawer.“

Sieht man von der vermeintlichen Grauzone ab, in der viele Unternehmen agieren, finden sich unzählige negative Erfahrungsberichte von weiteren Angeboten. Denn selbst „echte Follower“, die angeblich „per Hand“ erstellt und geführt werden, werden lediglich von Bots gesteuert. Bereits 2017 berichtet „SPIEGEL“ über einen damals minderjährigen Jungen, der Instagram-Konten mit falschen Followern füttert und damit zehntausende Euro verdiente. So heißt es:

„Braun sieht in den unterschiedlichen Preisen ein Geschäftsmodell: Er kauft günstig Likes und Follower ein und verkauft sie etwas teurer. Die Likes und Follower stammen von per Computer kontrollierten Instagram-Profilen, sogenannten Bots. Die Profilfotos vieler Bot-Accounts stammen irgendwo aus dem Netz.“

In einer Recherche von VICE beschreiben die Autor*innen, wie sogar die Betreiber*innen mancher Angebote keine Ahnung haben, woher die Likes stammen. Denn: Sie werden anderswo eingekauft.

„Wir fragen zunächst dort nach, wo es am logischsten scheint: bei einer Website, auf der man Likes und Followerinnen kaufen kann. Doch der Betreiber sagt, er habe keine Ahnung, woher seine Ware eigentlich kommt: „Ich würde so gerne wissen, wer die Quelle ist.“ Er kaufe seine Follower bei anderen Zwischenhändlern, die offenbar selbst nicht mehr wüssten als er.“

Dahinter steckt ein unüberschaubares Netzwerk aus Zwischenhändler*innen und Bots. Zwar gebe es kein Gesetz, das diese Praktiken verbietet, wie VICE schreibt, aber juristisch kann es dennoch „brenzlig“ werden, „etwa wenn eine Firma Follower kauft, um beliebter zu wirken als die Konkurrenz“, wie es weiter heißt.

All das ist bekannt. Dutzende Artikel haben sich dem Markt der gekauften Follower und Likes gewidmet, immer mit höchst problematischen Strukturen dahinter.

Ingame erwähnt das nicht. Im Gegenteil: Sie finden nur Lob für „Followersnet“.


Online-Casinos: Gefährlich und unkritisch

Neben ungewöhnlichen, undifferenzierten Berichten über Social-Media-Bots und, äh, Webspace, irritiert Ingame besonders mit einem Thema: Online-Casinos. Ja, Online-Casinos. Dutzende Berichte hat die Ingame-Redaktion zu diesem Thema veröffentlicht. In der besonders heiklen Aufgabe, beim Thema Spielsucht eine ausgewogene, nicht verharmlosende Sicht auf das Thema zu liefern, versagt Ingame. Ein Beispiel aus August 2019 verdeutlicht das:

kohlemachen-ingame
(Ingame.de)

„Schnell kohle machen“ verspricht Ingame hier also, und zunächst sei es „bedeutsam“, das richtige Casino zu finden.

kohlemachen-ingame2

Die Seite, die Ingame hier verlinkt, heißt „Gaming Metropolis“ und vergleicht „Top-Online Casinos“. Ein Impressum ist nicht vorhanden. In den „Datenschutz- und Cookie-Richtlinien“ heißt es, die Firma befinde sich auf Malta. Und das hat einen Grund, den Ingame in dem Artikel nicht nennt: Online-Casinos sind in Deutschland verboten.

Der sogenannte Glücksspielstaatsvertrag regelt seit 2011 den Betrieb von Online-Casinos. Lediglich Schleswig-Holstein geht einen Sonderweg: Unternehmen, die eine Lizenz in Schleswig-Holstein besitzen, dürfen Online-Casinos betreiben, aber lediglich für Menschen mit Wohnsitz in Schleswig-Holstein. An jedem anderen Standort in Deutschland ist die Benutzung von Online-Casinos verboten.

Das erste Online-Casino, das die von Ingame verlinkte Plattform „Gaming Metropolis“ verlinkt, heißt „OneCasino“ – und besitzt offenbar keine Lizenz in Schleswig-Holstein. Auch das zweite Casino „Kassu Casino“ gehört zu einem Unternehmen, das keine Lizenz in Deutschland besitzt. Das gilt auch für die übrigen Casinos.

Warum sie für Nutzer*innen, die nicht aus Schleswig-Holstein stammen, zugänglich sind, erklärt die rechtliche Grauzone, mit der die Unternehmen argumentieren: Sie berufen sich auf EU-Regeln und widersprüchliche Urteile (wobei das Bundesverwaltungsgericht die deutsche Gesetzgebung längst bestätigt hat). Eine Lösung dafür haben die Bundesländer in den vergangenen Jahren nicht gefunden, denn obwohl die Angebote nicht legal sind, ist ein Zugang für Spielerinnen und Spieler jederzeit möglich.

Erst kürzlich wurde bekannt, dass die Hamburger Innenbehörde Strafanzeige stellte gegen die Verantwortlichen von Tipico, Bwin und Bet, wie unter anderem „Süddeutsche“ berichtete.

In den vielen, vielen Texten von Ingame erwähnt die Redaktion das entweder gar nicht oder nur zum Teil.

bestecasinos-ingame
(Ingame.de)

Die folgenden Online-Casinos hat Ingame getestet:

  • Casimba
  • Karamba
  • CasinoClub
  • Betsson
  • NetBet
  • Betway

Keines der getesteten Casinos besitzt eine gültige Lizenz in Schleswig-Holstein. Das weiß auch Ingame, will es aber nicht so richtig verraten:

„Wir haben uns ebenfalls für euch auf die Suche nach seriösen Online Casinos mit einer sehr guten Reputation gemacht. Dabei haben wir in diesem Guide, besonderes Augenmerk auf die EU-Glücksspiellizenz, den Auszahlungsraten und die Spielauswahl gelegt.“

Alle sechs Casinos werden direkt verlinkt und als besonders seriös beschrieben, da sie ihren Sitz auf Malta haben.

„Zu den renommiertesten Regulierungsbehörden gehört die Malta Gaming Authority, die ihren Sitz auf Malta hat.“

Weiter schreibt die Redaktion, derlei Lizenzen werden auch in Deutschland anerkannt:

„Lizenzen, die ebenfalls in Deutschland anerkannt werden, ist der Curaçao Gambling Commissioner und die Gibraltar Regulatory Authority.“

Eine Quelle nennt Ingame dafür nicht – vermutlich, weil es nicht stimmt. Obgleich die Bundesländer nicht direkt die Betreiber aus EU-Ländern verbieten und das Spielen unmöglich machen, ist dennoch klar im Glücksspielstaatsvertrag das Verbot von Online-Casinos geregelt. Die Anwaltskanzlei Lenné etwa schreibt nach einer Berichterstattung von „NDR“ und „BILD“ folgendes:

„Der Besitz einer EU-Lizenz berechtigt in keiner Weise zum Betrieb eines Online-Casinos auf dem Staatsgebiet der Bundesrepublik Deutschland.“

In einem Bericht des „NDR“ äußert sich die Landesmedienanstalt des Saarlandes wie folgt:

„Das Spielen in Online-Casinos mit EU-Lizenz ist keineswegs 100 % legal. Es entspricht vielmehr gefestigter deutscher wie europäischer Rechtsprechung, dass eine Lizenz in einem Drittstaat der EU die Rechtswidrigkeit des Spiels in Deutschland nicht per se aus Gründen des EU-Rechts beseitigt.“

Auch die Glücksspielaufsicht Hamburg äußert sich in dem Bericht:

„Ein Glücksspiel ist in Deutschland […] nur legal, wenn eine Erlaubnis durch eine deutsche Behörde erteilt wurde. Online-Casinospiele sind nach § 4 Abs. 4 Glücksspielstaatsvertrag verboten und nicht erlaubnisfähig. Eine Ausnahme besteht nur in Schleswig-Holstein, die sich ausschließlich auf das Hoheitsgebiet von Schleswig-Holstein beschränkt.“

Und ein Sprecher des Innenministerium Hessen teilte dem „NDR“ folgendes mit:

„Außerhalb von Schleswig-Holstein gibt es in Deutschland derzeit kein legales Online-Casino-Angebot.“

In dem Text von Ingame mit angeblich seriösen Anbietern von Online-Casinos weist die Redaktion nicht auf die geltende Rechtssprechung hin.


Weitere problematische Texte tauchen auf, je mehr Zeit man auf Ingame.de verbringt.

besserescasino-ingame
(Ingame.de)

Auch hier verlinkt Ingame auf mehrere Anbieter.

besserescasino-ingame2

Der erste Link führt auf „Online CasinoPolis“, das „ausführliche Bewertungen und Testberichte aus der Welt der Online Casinos“ veröffentlicht. Unzählige Links zu vermeintlichen Boni-Zahlungen und ein Werbebanner (?) zu dem Online-Casino „VulkanVegas“ rahmen das Portal ein. Die Betreiber der Seite geben zwar an, wer (mutmaßlich) hinter der Seite steckt – aber ohne Impressum.

Vermeintlich seriöse Texte veröffentlicht Ingame ebenfalls:

digi-ca-ingame
(Ingame.de)

Eine kurze Geschichsstunde, inklusive Link auf die Universität Hohenheim lassen kurz hoffen auf differenzierte Berichterstattung. Und dann steht da tatsächlich das:

„Vertrauenswürdige Seiten findet man auf Vergleichsportalen. Man kann aber auch selbst recherchieren. Dabei sollte man darauf achten, dass das Online Casino eine Lizenz in Schleswig-Holstein oder zumindest in Europa hat, die Gewinn- und Auszahlungsquoten hoch sind und es genug positive Kundenbewertungen dazu gibt.“

Der Hinweis auf EU-Lizenzen mag falsch sein, da sie ja weiterhin in Deutschland verboten sind, aber immerhin erwähnt die Redaktion die Lizenzgebung in Schleswig-Holstein. Aber was interessiert Ingame das Geschwätz von zwei Sätzen zuvor?

„Der Online Markt hat das Glücksspiel in ein neues Zeitalter gebracht, dies macht sich auf jeden Fall an den Umsätzen erkennbar. William Hill, ein langjährig etabliertes Casino, das den Sprung in die digitale Welt geschafft hat, kann hier als gutes Beispiel aufgeführt werden.“

Ingame verlinkt auf „William Hill“, das lediglich eine Lizenz in Gibraltar besitzt. Zudem verharmlost die Redaktion massiv die Gefahren von Glücksspiel, indem sie so darüber schreibt:

„Um es auf den Punkt zu bringen: Online-Casinos sind eben bequemer. Während der eine sich scheut im Casino voll von fremden Menschen, die einen meist verurteilen und genauestens beobachten, will der andere ungern den Weg dorthin auf sich nehmen. Damit sind die Internetseiten der perfekte Ausgleich. Man kann seine euphorischen Ausbrüche wie auch Niederlagen ganz für sich alleine ausleben. Wir Menschen besitzen nun mal diese Faszination für diesen Nervenkitzel, doch nicht jeder möchte sich dafür outen. Es möchte sich auch nicht jeder seinen Kontostand anmerken lassen. Somit ist der Online Markt perfekt fürs anonyme und ungestörte Glücksspielerlebnis.“


In den stets als „News“ bezeichneten Texten geht Ingame auf diverse Themen mit Glücksspiel-Bezug ein.

paypal-ingame
(Ingame.de)

Die „News“, die im Detail beschreibt, welche Vorteile PayPal denn nun habe, wurde zuletzt am 13. August 2019 aktualisiert. Kurz danach, im September 2019 aktualisierte PayPal die Nutzungsbedingungen und hat in Deutschland ansässige Anbieter von Online-Casinos weitestgehend ausgeschlossen. Heißt: Viele Online-Casinos, selbst jene mit legaler Lizenz, bieten PayPal als Zahlungsmittel nicht mehr an.

neuheiten-ingame
(Ingame.de)

Drei „Neuzugänge“ stellt die Redaktion hier vor. Bei „77 Jackpot Online Casino“ sei für „Einsteiger und auch Fortgeschrittene“ alles dabei. Dabei könne man „bequem und einfach“ mit der Kryptowährung „Skrill“ bezahlen. Verlinkt wird danach auf die Plattform „Casino Gutschein Code“ mit Sitz in Dänemark. Keine der drei Casinos besitzt eine Lizenz in Schleswig-Holstein.

vielfalt-casino
(Ingame.de)

Der Geschäftsführer der „inwave Media GmbH“ schreibt direkt im ersten Absatz:

„Wer kennt sie nicht, die Entwickler Microgaming, Playtech und NetEnt? Ständig darum bemüht, uns erstklassige Casino-Games zu liefern. Es werden weder Kosten noch Mühen gescheut, damit wir in den Genuss dieser aufregenden Spiele kommen können. Überzeugen sie sich selbst davon, während sie spannenden Video-Poker-Games, eines der raffinierten Tischspiele oder einfach die klassischen Spieleautomaten anspielen.“

Nein, der Text ist nicht als Werbung markiert. Laut Ingame handelt es sich um eine „News“. Unter den zahllosen Berichten gehört dieser vermutlich zu den gefährlichsten, da jede journalistische Distanz fehlt und Online-Glücksspiel mit blumigsten Worten beschrieben wird.

„Zu allererst die allen bekannten Online-Spieleautomaten: Sie sind durch ihre großen, vielfaltigen Gewinnmöglichkeiten stets unterhaltsam und dank ihrer rasanten Art bleiben sie auch stets spannend.“

„Durch Online-Blackjack sind sie in der Lage,das wohl bekannteste Tischspiel der letzten Jahrzehnte bequem von Zuhause aus zu spielen. Das Erlebnis von Blackjack wird ihnen auf eine sehr realitätsnahe, authentische Art und Weise geboten.“

„Durch Online-Poker haben sie die Freiheit,sich aus den unzähligen Varianten dieses weltbekannten Spiels eine rauszusuchen und einfach eine gute Zeit zu haben.“

Was zunächst interessant klingt …

betrugcasino-ingame
(Ingame.de)

… entpuppt sich als offensichtliche Suchmaschinenoptimierung (zuletzt aktualisiert am 10. Juni 2020). So schreibt Ingame direkt zu Beginn:

„Wer noch ganz frisch in der Welt von Casinos, Poker und Glücksspiel ist, der findet auf Casino-Tips-Online.de viele Informationen.“

Die Plattform „Casino-Tips-Online“ bietet eine Kategorie namens „News“. Sie enthält zwei Einträge.

casinotips-ingame

Der erste Beitrag wird automatisch produziert, wenn ein Blog bei WordPress erstellt wird. Niemand hat sich die Mühe gemacht, ihn zu löschen. Ein Impressum ist ebenfalls nicht zu finden.

Laut Ingame sei es für Laien schwierig zu überblicken, „welche Casinos sicher und seriös sind und welche Casinos weniger vertrauenswürdig“ seien. Auf verschiedene Anbieter will die Redaktion daher hinweisen.

„Zum Beispiel Auf Casinobetrug.info werden Online Casinos unabhängig getestet und auf Seriosität geprüft.“

Folgt man dem Rat von Ingame und informiert sich auf „Casinobetrug.info“, kann man folgenden Satz lesen:

„Die deutschen Gesetzgeber haben das Onlineglücksspiel noch immer nicht auf rechtlich seriöse Füße gestellt. Es gibt hierzulande keinen geregelten sicheren Markt, wie er eigentlich von den europäischen Behörden vorgeschrieben wird.“

Das ist schlicht falsch. Es gibt einen geregelten und sicheren Markt, den die Landesregierung Schleswig-Holstein genau dokumentiert. Wem die Seite „Casinobetrug.info“ gehört, lässt sich nicht nachvollziehen, ein Impressum fehlt. Zudem finden sich veraltete Infos auf der Seite, etwa, wenn sogenannte Paypal-Casinos erklärt werden, die genannten Casinos allerdings längst kein PayPal mehr anbieten.

Anschaulich, aber vermutlich ungewollt zeigt die Redaktion in dem Beitrag, warum so viele „News“ immer wieder aktualisiert werden. An einer Stelle hat Ingame offensichtlich vergessen, den alten Text zu löschen:

altertext-ingame

Im offensichtlich neuen Text fügte die Redaktion lediglich das Stichwort „Online Casinos“ ein, mit einem Link zu einem Ingame-Artikel über, wer hätte das gedacht: Online-Casinos.

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(Ingame.de)

Hier handelt es sich nicht um generelle Neuigkeiten aus der Branche, sondern um, nun, neue Online-Casinos. Keines der vorgestellten Casinos besitzt eine Lizenz in Schleswig-Holstein.

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(Ingame.de)

Direkt im ersten Absatz führt ein Link zur bereits erwähnten Plattform „Casino Tips Online“. Nach einer kurzen Geschichtsstunde schreibt Ingame ohne jede Kritik am Glücksspiel:

„Heutzutage findet man an so gut wie jeder Ecke Casinos oder eine Möglichkeit sein Glück beim Spiel zu versuchen. Ob Mau-Mau oder Poker, dass Glücksspiel ist mittlerweile nicht nur salonfähig, sondern auch fester Bestandteil der Kultur weltweit geworden.“

Ein weiteres Beispiel für die unkritische Berichterstattung von Ingame:

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(Ingame.de)

So schreibt die Redaktion:

„Innovative Softwareproduzenten liefern das erforderliche Sortiment an fesselnden Casino Spielen. Die vielfältigen Entwicklungen sind für die kleineren Displays hervorragend optimiert und mit jedem modernen Mobilgerät kompatibel. So wird dem Nutzer von Smartphone oder Tablet ein ebenso bequemes und problemloses Spielvergnügen ermöglicht, wie dem Spielenthusiasten vor seinem Desktop Computer.“

Natürlich sollten Spielerinnen und Spieler „überprüfen, ob es sich um einen legalen Glücksspielanbieter handelt“, schreibt die Ingame-Redaktion, um einen Satz später die Seite „Online Casino mit Startguthaben“ zu empfehlen, die einer Firma namens „OnlineCasinomitStartguthaben GmbH“ angehören soll. Zudem stellt Ingame die rechtliche Situation verzerrt dar:

„Dabei ist es natürlich ebenso wichtig, sich zu vergewissern, ob der Casino Betreiber über eine ordnungsgemäß erteilte Glücksspiellizenz verfügt. Vorzugsweise sollte es sich dabei um EU-Lizenzierungen handeln, wie beispielsweise von der MGA oder UK Gambling Commission.“

Die rechtliche Lage in Deutschland und die Lizenzen aus Schleswig-Holstein werden hier gar nicht erst erwähnt.

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(Ingame.de)

Hier soll es sich vermutlich um einen Testbericht eines Spielautomaten handeln. Leider differenziert Ingame nicht.

„Für Millionen von deutschen Spielern gab es lange Zeit nichts Spannenderes, als sich mit dem Archäologen auf die virtuelle Reise ins alte Ägypten zu begeben und Mumien oder Skarabäen zu sammeln.“

Ja gut, wenn man wollte, könnte man natürlich einwenden, dass es sich hier um Glücksspiel handelt, aber Ingame schreibt schwärmt als Fazit lieber das hier:

„Optisch und auch funktional spielen Book of Dead und Book of Ra in derselben Liga. Dabei wirkt aber das neue Wunderkind aus der Softwareschmiede Play ‘n Go ein wenig frischer, moderner und windschnittiger als sein „Vorgänger“, wenn man den ehemaligen Novoline-Hit so nennen darf. […] Wer Book of Dead oder Book of Ra nicht kennt, sollte sich dem Thema vorsichtig nähern. Hat man erst einmal Blut geleckt, kann man der Geschichte um Rich Wild, seine und die Bücher der Toten nicht mehr einfach so den Rücken kehren.“

In dieser News vom 13. August 2019 findet Ingame besonders positive Worte fürs Online-Glücksspiel:

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(Ingame.de)

Die Argumentation von Ingame: Menschen haben Stress und deswegen verzocken sie ihr Geld online.

„Neben den an Bedeutung gewinnenden Videospielen bleibt auch der Genuss von Online Casinos ganz weit oben auf der Beliebtheitsskala. […] Argumente für ein perfektes Online Casino gibt es viele. So erweist sich zum Beispiel eine sehr große Auswahl an Spielen an sehr positiv, andere legen Wert auf die Zahlung eines Bonus oder anderen Sonderleistungen und wiederum andere orientieren sich mehr an der Technik und der attraktiven Handhabung und Sicherheit einer solchen Plattform.“

Natürlich darf ein Link nicht fehlen, der diesmal zu einer Seite führt, die vermutlich unter dem Einfluss einer Familienpackung „Center Shock“ im Informatik-Nachhilfekurs erstellt wurde.

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(Look4Casino)

Hier weitere, meist unkritische Artikel von Ingame über Online-Glücksspiel:

„Casinos Around the World: Von Vegas bis Saint Tropez“

„Why Online Blackjack Gaming is a Must Try“

„Casino-Spiele in der Hauptstadt von Deutschland“

„Mr.Bet – Das Online Casino im Test“

„Die besten Willkommensangebote in 2020“

„Die Top 7 unterhaltsamsten Online Casino Spiele“

„Die 5 beliebtesten Casinospiele“

„Casumo: Mit dem Casino Professor zu Spiel, Spaß und Moneten“

„Das sind die besten Casinos Games für den PC“

„Lotto spielen – Kiosk oder direkt online?“

„Die Top 5 Vorteile von Kryptowährungen bei Online-Gaming-Plattformen“

„Deutschland im Online-Casino-Fieber“

„Das Royal Vegas Online Casino lädt ein zu Spiel, Spaß und Geld“

„Vertrauen Sie auf Ihr Können – mit Spielstrategien zum Erfolg“

„So schnell und ultra leicht findet ihr sonst nirgendwo das richtige Casino“


Beliebig ließe sich fortsetzen, wie Ingame die schönsten Wörter findet für Glücksspiel. Leserinnen und Leser, die daran kein Interesse haben, könnten jene „News“ schlicht ignorieren, könnte man nun einwenden. Doch das will die Redaktion von Ingame nicht. Überhaupt gar nicht will Ingame das.

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(Ingame.de)

Spiele, ey, geil, Pixel-Power auf der PlayStation, PS4, die ist schon sexy, das will ich jetzt lesen, Neuheiten, coolcoolcool …

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(Ingame.de)

Der Link führt auf „Casinoservice.org“, ein vermeintlicher „Casinoratgeber“ ohne Impressum, der auf Angebote verlinkt, die keine Lizenz in Deutschland besitzen. Ja gut, äh, das kann man schon so machen, aber dann biste halt unseriös.

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(Ingame.de)

Endlich, herrje, eine News, eine echte News über Iron-Man und verflixt glaubwür…

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(Ingame.de)

Was? Wo? Und warum? Ist das die Herleitung, die Ingame mir hier als Leser schmackhaft machen will? Zur Seite „OnlineSpielautomaten.de“ führt der Link von Ingame, inklusive Firmensitz auf den Britischen Jungferninseln. Von den angepriesenen Superhelden-Casinoslots will übrigens keiner so richtig funktionieren. Genau wie Iron Man 2.

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(Ingame.de)

Ein merkwürdiger Text ist das, und ausnahmsweise neige ich hier eher zum Understatement.

„Videospiele helfen Menschen, im Leben erfolgreich zu sein. Es ist eine ungewöhnliche Meinung, besonders in den Mainstream-Medien und der Popkultur, und die meisten Anti-Gaming-Aktivisten weisen darauf hin, dass Videospiele dazu neigen, Unreife, Gewalt und sogar Abhängigkeit zu kultivieren. Wie funktioniert das also mit dem Erfolg und Videospielen?“

Was halten die, äh, „Anti-Gaming-Aktivisten“, die ihren Sitz mutmaßlich im Modellbau-Bahnhof in Horst Seehofers Keller haben, von Redaktionen, die in einem vermeintlich seriösen Bericht plötzlich über Glücksspiel reden?

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(Ingame.de)

„Das Leben erfordert es“, genau wie online journalismus ohne integrität, Amen!

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(Ingame.de)

Das Glücksspiel in Rockstar-Spielen ist ein Heimspiel für die Ingame-Redaktion, schließlich liegt ein Vergleich besonders nahe: GTA 5 und windige Casino-Seiten ohne Impressum im knittrigen Satzbau.

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(Ingame.de)

Die methodisch fragwürdige Suchmaschinenoptimierung von Online-Glücksspiel in eigentlich themenfremden Texten irritiert aber noch mehr, wenn man ein Blick in die frei verfügbaren Mediadaten der „inwave Media GmbH“ (zum PDF) wirft. Unter dem Punkt „Demografie“ heißt es:

  • 28 Prozent der Leserinnen und Leser des Ingame-Netzwerks sind zwischen 14 und 19 Jahre alt.
  • 43 Prozent der Leserinnen und Leser sind zwischen 20 und 29 Jahre alt.
  • Wie Ingame selbst zusammenfasst: „71 Prozent unserer Netzwerk-User sind jünger als 30“

Ein teilweise minderjähriges Publikum besucht häufig das Ingame-Netzwerk. Ein Publikum, das besonders anfällig ist für Glücksspielsucht. In einem Bericht des SPIEGEL-Magazins „Bento“ heißt es:

„[…] Je früher Spieler anfangen, desto höher ist ihre Wahrscheinlichkeit, süchtig zu werden.“

In einem Artikel im „Deutschen Ärzteblatt“ nennt die Diplom-Psychologin Dr. phil. Marion Sonnenmoser ein „junges Erwachsenenalter“ als Risikofaktor für Glücksspielsucht. Und in einem Interview (via T-Online) von 2009 berichtet Heike Bender-Roth, Referentin bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), folgendes:

„Jugendliche sind besonders gefährdet, eine Sucht nach Glücksspielen zu entwickeln“

In einer 2017 veröffentlichten Studie der BZgA heißt es ebenfalls:

„Soziodemografische Risikofaktoren für problematisches oder pathologisches
Glücksspielverhalten im Jahr 2017 sind ein Lebensalter unter 25 Jahren […]“ – Seite 12

Ein redaktionelles Magazin namens Ingame, das hauptsächlich über Videospiele berichtet, verfügt über eine Leserschaft, die zum Teil minderjährig und zum großen Teil unter 30 Jahre alt ist, und dieses Magazin namens Ingame verlinkt in Texten, die keinen Bezug zum Thema Online-Casinos haben, teilweise zu unseriösen, manchmal verbotenen Casino-Angeboten ohne gültige Lizenz in Schleswig-Holstein.

Ganz schön abgefuckt. Und gefährlich.

Casino-Empfehlung für Jugendliche?

Ein Artikel fällt besonders auf:

langeweile-ingame
(Ingame.de)

Die Einleitung macht tatsächlich fassungslos:

„In Zeiten des Coronavirus klagen viele Jugendliche und junge Erwachsene über Langeweile. In der Quarantäne könnten Online Casinos die richtige Abwechslung bieten.“

Wie die Ingame-Redaktion hier gezielt Jugendliche für Online-Glücksspiel begeistern will, widert mich an. Kein zynischer Kommentar fällt mir da ein, keine Punchline, einfach nur ehrliche Verachtung.

„Wenn du noch keine Erfahrung mit Glücksspielen im Internet hast, haben wir eine schöne Überraschung für dich. Es gibt buchstäblich hunderte von Online-Casino-Websites, die alle auf dich warten. Fast alle bieten die besten Klassiker der Casino-Welt an.“

Ein Online-Casino hat es Ingame besonders „angetan“, es sei die „beste Online-Casino Webseite die wir finden konnten“, wie die Redaktion schreibt, und in erster Linie ist es ein Online-Casino, das keine Lizenz in Schleswig-Holstein besitzt und somit in Deutschland verboten ist.

In aller Deutlichkeit: Die Ingame-Redaktion nimmt das Coronavirus zum Anlass, Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die als besonders anfällig für Glücksspielsucht gelten, ein in Deutschland nicht-lizenziertes Online-Casino zu empfehlen, da durch den Ausfall von Uni und Schule besonders viel Zeit vorhanden sei.

Puh.

Zumal es noch so viele weitere Beispiele gibt. Irreführende Berichte, die eigentlich nix mit Glücksspiel am Hut haben.

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(Ingame.de)

Was seriös beginnt …

„Laut einem Bericht der Szene waren die Ausgaben für mobile Spiele im Jahr 2019 fast dreimal so hoch wie die Ausgaben für PC-Spiele, sogar um ein Vielfaches höher als Konsolenspiele.“

… wird natürlich zum Casino-Schaulaufen.

„Casino-Spiele sind eines der am schnellsten wachsenden Genres für Handyspiele. Laut Schätzungen aus dem Jahr 2018 spielten damals bereits mehr als 80% der Social-Casino-Nutzer auf Smartphones, während der Anteil der Nutzer, die ausschließlich auf PCs spielen, in den vergangenen Jahren konstant von 15 auf 6% gesunken ist.“

In dem von Ingame verlinkten Text steht das allerdings gar nicht. Weiter heißt es:

„Denn mittlerweile gibt es kaum noch Gelegenheiten, nicht zu spielen. Sei es auf dem Weg zur Arbeit, abends auf dem Sofa oder sogar am Strand im Urlaub – der Vorteil des mobilen Spielens liegt ja darin, dass man lediglich ein internetfähiges Smartphone besitzen muss, um Seiten wie das HEXCasino Niederlande zu besuchen.“

Ja, die Ingame-Redaktion verlinkt in einem deutschsprachigen Text auf ein niederländisches Casino, und folgt man dem Link, kommt man auf ein Angebot in, nun, niederländischer Sprache. Ein ernsthafter Text über Mobile Games war also vermutlich nie angedacht.

Selbst Texte, so bodenständig wie eine Doppelhaushälfte mit Rotkohl-Vorrat, wandelt die Ingame-Redaktion in blinkende Casino-Flyer.

playstation-ingame
(Ingame.de)

Der Text enthält eine Liste mit „wegweisenden“ PS2-Genres:

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Der obligatorische Link im Text führt auf „Spielhallen.com“ von einer Firma mit Sitz auf Malta.

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(Ingame.de)

Tatsächlich geht man nicht ganz ohne Erkenntnisgewinn aus dem Text, aber hängen bleibt das norwegische Casino-Portal „NorskNettCasino“, das Ingame im Text verlinkt.

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(Ingame.de)

Hier finden sich vermeintlich kritische Gedanken über Mikrotransaktionen, ein normaler Text also, bis Ingame solche Dinger raushaut:

„So gut wie jedes Vollpreisspiel, das Mikrotransaktionen und Freispiele wie bei casinokomplett.com beinhaltet, ist entweder ein reines Multiplayerspiel oder hat zumindest eine große Mehrspielerkomponente.“

Es sind derlei Texte, die das junge Publikum von Ingame ansprechen, weil sie unter dem Deckmantel vermeintlich seriöser Berichterstattung ein kontroverses Thema aufgreifen, nur um dann den teils minderjährigen Leserinnen und Lesern einen kontextlosen Link zu einer Casino-Plattform zu verlinken.

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(Ingame.de)

Die ersten beiden angesagten Spiele sind die Zelda-Titel Link’s Awakening und Breath of the Wild. Ingame schreibt dazu:

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(Ingame.de)

Wenn dahinter kein perfides, potentiell gefährliches System stecken würde, das junge Menschen auf Online-Casinos führt, indem themenfremde News über Nintendo-Spiele als Linkschleuder verwendet werden, könnte man diese absurde Herleitung immerhin kurz witzig finden. Aber nein, witzig ist daran nichts, schließlich ist der Grund dafür schlecht gemachte Suchmaschinenoptimierung auf Kosten des jungen Publikums.

Mitunter schreibt Ingame auch über die Gefahren von Online-Glücksspiel.

„6 Tipps & Tricks für Spielautomaten“ Ingame.de

Hier heißt es etwa, man solle ein „vernünftiges Budget festlegen“, die „Auszahlungsquoten beachten“ und einen „kühlen Kopf bewahren“, nur bringen diese vermeintlichen Ratschläge nix, wenn der erste Satz nach der Einleitung so aussieht:

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Schön auch das Werbebanner von Hyperino nach dem Ratschlag, man solle doch einen kühlen Kopf bewahren. Der wohl „kritischste“ Text zum Thema verfehlt letztlich ebenfalls seine Wirkung.

„Die größten Fehler von Glücksspiel-Neulingen“ Ingame.de

Was Expert*innen immer wieder als großes Problem von Online-Glücksspiel aufführen: Alkoholkonsum, der in Spielhallen ja eigentlich verboten ist. Vor dem PC kann das allerdings niemand kontrollieren. Deswegen schreibt Ingame:

„Klar, sich im Ambiente eines Casinos mal ein Bier oder einen Sekt gönnen, ist wunderbar. Doch zu viel ist niemals gut, denn Alkohol lässt die Risikobereitschaft steigen, und die Vernunft in den Hintergrund treten – und das unabhängig davon, ob man im echten Casino ist, oder beim Online-Gambling aktiv ist.“

Bringt nur nix, wenn im zweiten Satz nach der Einleitung ein Link auf die Seite „Casino-Tips Online“ führt, die den Leserinnen und Lesern Tipps gibt für, tja, Online-Glücksspiel.

Immer wieder bricht Ingame das eigentliche Themengeflecht auf für die absurdesten Verlinkungen. In einem Text, der mit „Die Faszination japanischer Videospiele“ überschrieben ist, heißt es, man solle als „Spieler die kulturelle Identität nicht wie in einem Casino verspielen“, bezugnehmend auf die Globalisierung der Spieleproduktion, und man ahnt bereits das folgende:

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(Ingame.de)

Wait, what?! Ingame meint das ernst. In einem eigentlich seriösen, gut gemachten Text wirft die Redaktion jedwede Integrität weg, da das eigentliche Thema dem Online-Glücksspiel und den dazugehörigen Links untergeordnet wird. Zum Beispiel geht da die Ingame-Redaktion der Frage nach, wie lange es noch dauert bis zum Release von The Elder Scrolls 6, nur um den Text so zu beenden:

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(Ingame.de)

Und plötzlich stürmt aus dem Windschatten der prätentiösen Glücksspiel-Wortspielerei ein Vergleich, so unendlich grotesk, dass nur ein stattlicher Rahmen es als das ausweisen kann, was es letztlich nicht sein kann, weil hier willentlich Leben gefährdet werden: Kunst. Nein, das ist keine Kunst, vielleicht kurz witzig, aber eigentlich überhaupt gar nicht.

„Genau wie in jedem Ableger der Souls-Reihe ist Orientierung auch im Bereich der Online-Casinos von essenzieller Bedeutung. Euch eröffnen sich viele dunkle Pfade und ihr seid garantiert noch nicht bereit, jedem ohne gehörigen Widerstand zu folgen. Auch bei der Wahl des liebsten Casino-Anbieters öffnen sich euch viele Türen mit noch mehr Möglichkeiten. Für den nötigen Überblick sorgt das renommierte Online-Portal http://www.bestesonlinecasino.tips, wo ihr garantiert das richtige Online-Casino für euch findet. Dort werden euch nicht nur die besten Anbieter praktisch aufgelistet, sondern auch die Vorteile von Boni eingehend erklärt. Rollenspieler wissen: Boni, ob auf Rüstungen oder im Portemonnaie, sind ein lohnendes Unterfangen.“

Das hat Ingame genau so geschrieben. Rollenspiele wie Dark Souls folgen dem gleichen Prinzip wie Online-Casinos. Oder andersherum. Herrje.


Ein Fazit

Ingame besitzt kein Monopol auf Clickbait. Andere Redaktionen wie Gameswelt, Playcentral und auch GameStar nutzen immer wieder irreführende Headlines. Bei Ingame wird der boulevardeske Stil noch häufiger und intensiver genutzt. Durch Querverlinkungen und Aktualisierungen der News profitiert die Redaktion ungemein und wird vielen Leserinnen und Lesern in der Google-Suche oben angezeigt.

Wäre das allein der Rede wert? Bestimmt. Aber nicht fast 7.000 Wörter, die ich hier ganz bewusst geschrieben habe – ich möchte ausführlich zeigen, wie ein Spielemagazin mit einer großen Reichweite bei dem Thema Online-Casinos gezielt Jugendliche anspricht, die Gefahren der Glücksspielsucht dabei verharmlost und in themenfremden News auf unseriöse Casino-Plattformen verlinkt.

Erst vor einigen Wochen wurde bekannt, dass sich die Bundesländer auf einen neuen Glücksspielstaatsvertrag geeinigt haben, der Mitte 2021 in Kraft treten soll. Online-Casinos sollen dann in ganz Deutschland erlaubt sein.

Ein Spielemagazin dürfte sich wohl besonders über diese Entscheidung freuen. Leider.

Glücksspiel kann süchtig machen. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung bietet eine anonyme, kostenlose Telefonberatung an. Auch eine Online-Beratung ist möglich. Der „Fachverband Glücksspielsucht“ ermöglicht es, Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen in ganz Deutschland zu finden.

2 Kommentare

  1. Wahnsinn, dass sowas tagtäglich durchgewunken und veröffentlicht wird.

    Aber auf jeden Fall danke für deinen Mühen. Verfolge immer wieder gerne deine Beiträge und Kritiken.

    Liken

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