Medienkritik

Albion Online und PC Games: Das kleine Wörtchen „Anzeige“

Schon gehört? Albion Online wird Free-to-Play. Das heißt: Ein mehr oder weniger generisches Online-Spiel wird – wie dutzende Titel zuvor – kostenlos spielbar. Was an der Meldung besonders ist? Die Art, wie PC Games darüber berichtet.

Dort heißt es bereits in der Einleitung:

Die Entwickler des Sandbox-MMOs Albion Online haben sich dazu entschieden, die zauberhafte Welt, das umfangreiche Crafting-System und die wilden PvP-Kämpfe zwischen ganzen Gilden kostenlos zum Spielen zur Verfügung zu stellen.

Zauberhaft, umfangreich und wild zugleich, das scheint ein echter Knaller zu sein, ein Bingo, wie Christoph Waltz quietschen würde.

Seit 2017 ist Albion Online erhältlich, doch damit Neulinge davor nicht zurückschrecken, versichert PC Games:

Macht euch keine Sorgen, dass euch umfangreiche Crafting-Systeme, Handwerksketten oder PvP-Gildenschlachten über den Kopf wachsen könnten, denn ein brandneues Tutorial nimmt jeden Neuling an die Hand und führt euch in die Welt von Albion ein.

Und nein, keine Sorge, jeder, der Albion Online jetzt beginnt, bekommt das gesamte Paket, wie es weiter heißt.

Und sorgt euch nicht darum, dass die Free2Play-Version von Albion in irgendeiner Weise beschnitten wäre – das ist sie nämlich nicht! Allen Spielern stehen alle Inhalte zur Verfügung, ohne Wenn und Aber!

Spätestens jetzt fällt der Blick auf die Textart: Laut PC Games handelt es sich nicht um eine Vorschau, nicht um einen Test, nicht um eine Reportage, sondern: um eine News. Jene Textform also, die der Wiedergabe von Fakten gewidmet ist.

newshinweis

PC Games allerdings bewertet Albion Online fröhlich weiter:

Albion Online hat jedem Spielertyp etwas zu bieten, egal ob ihr lieber solo oder doch in einer Gruppe durch die Lande zieht, und entweder NPC-Gegnern oder anderen Spielercharakterern Tod und Verderben bringt. 

Wollt ihr euer Glück in PvE-Abenteuern suchen, dann bietet euch die offene Welt durch jede Menge Aktivitäten, Einzel- und Gruppenexpeditionen klar definierte Ziele. Zudem bringt das jüngst veröffentlichte Oberon-Update durch neue Features mehr Tiefe, Herausforderung und Spontanität in die Welt von Albion.

Dieser Ton ist ungewöhnlich für eine News. Auch der letzte Absatz sorgt mit gezielt gesetzten Worten für eine ganz bestimmte Atmosphäre:

Habt ihr bereits Albion Online gespielt, also eines der Pakete erworben? Für euch ändert sich nichts, nein, ihr bekommt sogar einen Bonus! Wenn ihr bis zum Start der Free2Play-Version von Albion Online einmal ein Starter- oder Gründerpaket gekauft und eingelöst habt, dann dürft ihr euch nun über ein exklusives Geistwolf-Reittier, eine besondere Avatarumrandung und 1.000 Goldmünzen sowie eine für drei Tage aktivierbare Premiumzeit freuen. Des Weiteren könnt ihr die Entwickler von Sandbox Interactive weiterhin unterstützen. Im Tausch gegen Echtgeld oder Ingame-Währungen lässt sich der Premium-Status shoppen, der euch verschiedene Boni einbringt. Dazu findet ihr im Ingame-Shop diverse kosmetische Items, die ihr euch gönnen dürft.

Die bisherigen Spieler bekommen nicht einfach ein Reittier, nein, sie dürfen sich darüber freuen, also über die Spendierfreude der Entwickler, über „besondere“ und „exklusive“ Gegenstände. Und im spieleigenen Shop kann der Spieler herrlich „shoppen“, unter anderem kosmetische Items, die man sich „gönnen“ darf.

Das ist nicht der Stil einer News. Gemeinhin nennt man das „Werbung“. Diesen Eindruck untermauert das Ende der News, das auf die offizielle Seite von Albion Online verlinkt; nicht aber in Form von „Quelle: Offizielle Seite von Albion Online“ oder „Quelle: Pressemitteilung“, sondern so:

schlusssatz

Viel Spaß hat sicherlich der Entwickler von Albion Online, wenn er solche Sachen liest. Das Problem: Nirgends findet sich der Hinweis, dass es sich bei dem Text um Werbung handelt, obwohl er einen Aufruf zum Client-Download beinhaltet und die Nachricht nicht von Meinung trennt.

Nicht nur der Tonfall erinnert an eine platzierte Werbeanzeige. Zufällig zur gleichen Uhrzeit – 14 Uhr – veröffentlicht die GameStar ebenfalls einen Text zu Albion Online. Und der fackelt nicht lange:

gamestarnews.JPG

Auch innerhalb der News finden sich mehrere Hinweise auf eine bezahlte Zusammenarbeit der Redaktion mit Albion Online:

gamestareinleitung.JPG

gamestarpromotiontags

Ein dazugehöriges Video hat die GameStar ebenfalls gekennzeichnet:

gsvideo

Es mag Zufall sein, dass beide Texte zur gleichen Uhrzeit erschienen sind. Über den Tag verteilt haben auch andere Seiten über Albion Online berichtet, da kann so etwas schon mal passieren. Der Schreibstil allerdings hat mit einer News wenig zu tun.

Vielleicht hat PC Games die Kennzeichnung als Werbung vergessen. Das passiert auch anderen. Doch die Redaktion von PC Games hat sich intensiv mit Albion Online beschäftigt, da sie den Text auch bei Buffed.de veröffentlicht haben, ein Magazin, das ebenfalls dem Medienunternehmen Computec angehört. Direkt unter der News prangt folgende Verlinkung:

mehrausdererdaktion.JPG

Das ist das gleiche Video, das die GameStar unter dem Zusatz „Anzeige“ veröffentlicht hat. Bei den Magazinen „Games-Aktuell“, „PC Games Hardware“, „Gamezone“ und „Videogameszone“ ist das Video ebenfalls aufgetaucht – zufällig alles Publikationen von Computec und von der gleichen Redaktionsleiterin verfasst. In keiner News findet sich das Wort „Werbung“ oder „Anzeige“.

Wofür hat die Zeit noch gereicht? Für Facebook-Postings:

facebookpost

facebookpost2

Entweder hat das Medienunternehmen Computec das kleine Wörtchen „Werbung“ vergessen und das bei gleich mehreren Magazinen – oder die hauseigenen Redaktionen haben ein ungewöhnliches Verständnis vom Konzept der News.

Nachtrag, 15.04.2019:

Eine nachträgliche Anzeigen-Kennzeichnung ist nicht erfolgt. Auch hat die Redaktion der PC Games die Leser-Kommentare im Forum ignoriert, die sich ebenfalls an dem Stil der News stören. Bei Buffed.de hingegen erhält man eine Antwort – wenn man neutrale Fragen zum Spiel stellt.

Hm.

Nachtrag 2, 28.11.2019:

Eher zufällig bemerkte ich, dass PC Games die News zu Albion Online kommentarlos gelöscht hat. Zum Glück ist bei der Wayback Machine noch ein Link zu finden.

Ebenfalls interessant: Bei Buffed ist die News weiterhin online, mittlerweile aber mit „Werbung“ markiert.

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